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Zukunft Banking: Best-of Digital Movers and Shakers

Zukunft

Zukunft Banking 26. Mai 2019 | netzwoche.ch/ZukunftBanking 16 SHAKERS « In fünf bis acht Jahren wird fast alles in einer Cloud von Amazon, Google oder Microsoft betrieben » ti&m unterstützt Banken bei der digitalen Transformation. Künstliche Intelligenz, Blockchain und die Cloud sind die Schlüsseltech nologien dafür. Im Interview erklärt ti&m-CEO Thomas Wüst, wozu sie den Banken dienen können. Interview: Marc Landis fast alles innerhalb der nächsten fünf bis acht Jahre in einer Cloud von Amazon, Google oder Microsoft betrieben werden wird. Die Zurückhaltung betrifft aktuell vor allem diese drei grossen Anbieter, deren Lösungen wir beraten und betreuen. Wir bieten aber auch eine private Cloud aus der Schweiz an, sind vor allem in der Schweiz domiliziert und zu 100 Prozent im Schweizer Besitz. Was müssen Banken in der Schweiz tun, um die digitale Transformation (oder Disruption?) zu überstehen? Thomas Wüst: Wir gehen nicht von einer Disruption, sondern von einer digitalen Transformation des Bankings aus. Das bedeutet, dass sich für agile Institute definitiv mehr Chancen als Risiken eröffnen. Banken, die basierend auf einer klaren Strategie genügend schnell, agil und kundenfokussiert moderne Services anbieten und dabei die End-to-End- Integration konsequent vorantreiben, werden gestärkt aus der Digitalisierung hervorgehen. Wir raten Banken, sich entlang der Kundenwünsche und möglicher Effizienzgewinne zu digitalisieren. Sie sollten die Digitalisierung nicht als Konkurrenz zur Direktberatung, sondern als Ergänzung integrieren. Wie unterstützt ti&m Banken auf ihrem Weg ins digitale Zeitalter? ti&m deckt lokal in der Schweiz die gesamte Wertschöpfungskette von Anfang bis Ende ab: Dies führt zu mehr Speed, Innovationskraft und Erfolg. Dabei unterstützt ti&m Banken bei der Transformation mit modernsten, omnikanalfähigen, modularen und vollständig offenen Digitalisierungsprodukten. Unser Portfolio reicht vom transaktionalen E- und M-Banking über Anlegen, Beraten und Kommunizieren, dem digitalen Onboarding, modernster Authentisierungslösungen bis hin zu innovativen Kommunikationsmodulen. Darüber hinaus realisieren wir zahlreiche Innovations- und Portalprojekte, und das auf allen relevanten Back-End-Plattformen, on-premise, aber natürlich auch in der ti&m- Banking-Cloud. So wird von uns Mitte Juni das modernste und innovativste E-Banking- Produkt der Schweiz live gehen. In welchen Bereichen können Banken von künstlicher Intelligenz profitieren? KI eignet sich ausgezeichnet für nicht-triviale Entscheidungs- und Matching-Themen sowie natürlich zur Auswertung grosser Datenmengen. Wir setzen KI bei zahlreichen Banking-Produkten ein. Etwa beim Voice Banking oder unserem KI-gesteuerten digitalen Onboarding. Darüber hinaus realisieren wir Individuallösungen bei den Themen Anlegen, Next Best Action und Fraud Detection. « ti&m deckt lokal in der Schweiz die gesamte Wertschöpfungskette von Anfang bis Ende ab. » Thomas Wüst, CEO, ti&m Warum sollten Banken den Einsatz von Blockchain-Technologie in Betracht ziehen? Blockchain birgt enormes Potenzial für Financial Services. Jedoch tendiert Blockchain dazu, gesamte Ökosysteme vorauszusetzen, was die erfolgreiche Entwicklung teilweise hemmt. Wir messen allerdings den Themen End-to-End-Integration, neuen E- und M-Banking-Lösungen sowie Cloudund KI-Ansätzen in den nächsten zwei bis drei Jahren mehr Potenzial für Banken zu. Blockchain ist überall dort interessant, wo Mittlerprozesse Geschäfte mehrerer Parteien absichern. Dies ist bei allen Arten von Hauptbüchern, aber auch bei digitalen Identitätslösungen der Fall. Warum zögern Schweizer Banken immer noch vor dem Schritt in die Cloud? Aktuell herrscht in Bezug auf die Public Cloud meiner Meinung nach noch Regulierungsbedarf im Themenbereich der Kundendaten. Das wird sich in den kommenden Monaten ändern. Wir gehen davon aus, dass ausser den stark reglementierten und hoch individualisierten Prozessen und Lösungen Welches Potenzial geht den Banken durch die Zurückhaltung bei der Cloud verloren? Die Vorteile cloudbasierter Services, ob nun bei Infrastruktur-, Plattform- oder Service- Cloud-Lösungen, sind bestechend. So werden Investitionskosten zu Betriebskosten, was entscheidend für die Agilität der Unternehmen sein wird. Die Cloud ermöglicht somit mehr Flexibilität und gleichzeitig mehr Agilität. Zudem kümmern sich spezialisierte, hochskalierbare Cloud-Anbieter um den Maschinenraum des Bankings und werden mit der Zeit sowohl bezüglich Stückkosten als auch Sicherheit für Einzelinstitute unerreichbare Optimierungen erzielen. ÜBER TI&M ti&m steht für Technology, Innovation & Management. Das Unternehmen sieht sich als Marktführer für Digitalisierungs- und Security-Produkte sowie Innovationsprojekte in der Schweiz und in den Finanzzentren der EU. ti&m integriert für Kunden die IT- Wertschöpfungskette vertikal. In drei Niederlassungen in Zürich, Bern und Frankfurt am Main beschäftigt das Unternehmen aktuell über 340 Ingenieure, Designer und Berater. ti&m steht für Mut, Ideenreichtum, Agilität und unternehmerisches Flair, gepaart mit Nachhaltigkeit und Swissness. (Quelle: ti&m) «Fintech-Start-ups sind die Revolutionäre der Finanzindustrie» Kolumnist: Thomas Landis, Head of F10 « Finanzinstitute müssen sich bewusst sein, wie sie ihre Produkte und Services auf die Bedürfnisse der jüngeren Generation anpassen können. » Thomas Landis, Head of F10 Die Bedürfnisse der nächsten Generation von Banken- und Versicherungskunden befinden sich im Wandel. Auch im traditionellen Finanzbereich übernimmt die Digitalisierung das Steuer. Für bewährte Geschäftsmodelle wird es immer schwieriger, sich neben jungen, innovativen Konzepten zu behaupten. Agile Fintech-Startups verändern den altbekannten Finanzmarkt schnell und nachhaltig. Solider, einheitlicher Service, persönliche Beratung gepaart mit einer starken Marke sind heute kein Erfolgsgarant mehr, um attraktiv zu bleiben. Das Schlüsselwort im Zeitalter der Digitalisierung heisst Kundenfokus. Die jüngere Kundschaft ist digital affin und erwartet einen qualitativ hochstehenden, unkomplizierten Service. Sie möchten Transaktionen unabhängig, auf dem Smartphone und ohne direkte Interaktion mit dem Berater vornehmen, ähnlich wie dies bei der Unterhaltungsindustrie der Fall ist. Finanzinstitute müssen sich bewusst sein, wie sie ihre Produkte und Services auf die Bedürfnisse der jüngeren Generation anpassen können. Eine langfristige Kundenbeziehung ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Heute ist es einfacher als je zuvor, den Anbieter zu wechseln und schnell in Vergessenheit zu geraten. Wer nachhaltig Erfolg haben möchte, muss sich der Summe seiner Kundenerlebnisketten bewusst sei. Fintech-Start-ups nutzen ihre Agilität als Treiber für Innovation Fintech-Start-ups beschleunigen den Transformationsprozess. Entgegen vieler Prophezeiungen ist es kein Gegeneinander, denn Kollaboration wirkt befruchtend und fördert die Innovation gewinnbringend für alle Parteien. Wir sind überzeugt davon, dass innovative Start-ups und Grossunternehmen zusammenarbeiten müssen, um die bestehenden Innovationsbarrieren überwinden zu können. Regulatory und Compliance sind in grös seren Finanzinstituten oftmals Faktoren, die Innovation massgeblich verlangsamen. Start-ups können dank ihrer schlanken Strukturen schnell agieren und ihre Produkte nach den neuesten Bedürfnissen ausrichten und somit zeitraubende Probleme und lange Entscheidungswege umgehen. Zusammenarbeit von Start-ups und traditionellen Anbietern zahlt sich aus F10 Fintech Incubator & Accelerator zählt zu den besten Incubators und Accelerators in Europa. Als «Home of Fintech» schlägt der Verein die Brücke und fördert die Zusammenarbeit zwischen innovativen Startups und den Corporate Members Six, Baloise Group, Julius Bär, Generali Group Switzerland, PwC Switzerland, Raiffeisen, Zürcher Kantonalbank, Eny Finance and ERI Bancaire, um die Finanzindustrie weiter voranzutreiben. Digitale Vision gesucht! Kolumnist: Rino Borini, Mitgründer Finance 2.0 Seit der Finanzkrise von 2008 hat sich in der Bankenwelt zwar viel verändert – doch der Big Bang ist ausgeblieben. Trotz Digitalisierung, verändertem Kundenverhalten und immer mehr branchenfremder Konkurrenz zeigt sich die Branche erstaunlich zuversichtlich. Man sieht die aufziehenden Wolken am Himmel zwar, aber so schlimm wird’s schon nicht werden, so die Einschätzung. Woher diese Zuversicht kommt, ist schwer zu sagen. An der Ertragslage kann’s nicht liegen, denn die spricht eine andere Sprache. Dies zeigt vor allem der Blick auf die beiden wichtigsten Ertragssäulen von Universalbanken: das Geschäft mit Zinsen respektive Kommissionen und Dienstleistungen. Den Zinserfolg konnten die Banken zwischen 2008 bis 2017 um 12 Prozent steigern – doch das ist keine gute Nachricht, denn der Zinsertrag hat in derselben Periode um 60 Prozent abgenommen. Dies, obwohl die wichtigste Bilanzposition, die Hypotheken, um 42 Prozent gewachsen ist. Den positiven Zinserfolg verdanken die Banken letztlich den um 80 Prozent gesunkenen Refinanzierungskosten. Als Grund für die verschlechterte Ertragslage wird meist das Zinsumfeld angeführt. Doch ein Blick auf die zweite wichtige Erfolgskomponente verdeutlicht, dass es sich auch um einen Strukturwandel handelt. Und dieser kann nicht rückgängig gemacht werden. Der Ertrag aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft ist nämlich ebenfalls eingebrochen, um 27 Prozent. Auch hier – wie schon bei Hypotheken – obwohl das Volumen grösser ist: Die verwalteten Vermögen sind um 135 Prozent gestiegen. Die Beispiele zeigen, dass höhere Volumen die Margenerosion nicht stoppen können. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. Zumal digitale Plattformen den Druck laufend erhöhen. Seit das Fintech Robinhood in den USA kostenlosen Aktienhandel anbietet, haben auch etablierte Finanzinstitute wie Charles Schwab oder E-Trade ihre Gebühren kräftig gesenkt. J.P. Morgen hat sogar ein Angebot mit kostenlosem Handel im letzten Jahr lanciert. Challenger-Banken wie N26, Revolut oder der Schweizer Anbieter Neon wiederum bieten gebührenfreie Kontoführung und Debitkarten. Diesem Trend können Banken nur standhalten, wenn sie mutig genug sind, sich zu transformieren. Letztlich geht es um neue Geschäftsmodelle, die wieder für Erträge sorgen und die Kundenbindung erhöhen. Das ist alles andere trivial. Als wichtigste Massnahme müssen Bankenchefs in ihren Instituten das richtige Mindset verbreiten. Es gilt, den digitalen Wandel nicht einfach zu akzeptieren, sondern ihn richtiggehend zu umarmen – und entsprechend konsequent zu agieren. Die digitale Transformation bringt nicht nur eine Veränderung der Unternehmensstruktur, sondern einen grossen Wandel für jeden Mitarbeiter. Es reicht nicht, wenn eine Bank eine digitale Vision hat. Sie muss von jedem Mitarbeiter gelebt werden.

26. Mai 2019 | netzwoche.ch/ZukunftBanking Zukunft Banking DIGITALISIERUNG IST CHEFSACHE 17 « Wir werden weiterhin in kleinen agilen Teams gezielt Probleme lösen» Eigentlich hatten die beiden Inacta-Gründer Ralf Glabischnig und Marco Bumbacher gar nichts mit Blockchain und Bitcoin am Hut. Aber ohne das Beratungsunternehmen gäbe es wohl das Zuger Crypto Valley mit all seinen Start-ups in der heutigen Form nicht. Wie es dazu kam und wie es weitergeht, erklären die Co-Gründer im Interview zum zehnjährigen Jubiläum. Interview: Marc Landis, Redaktion: David Klier Sie feiern dieses Jahr mit Inacta das zehnjährige Jubiläum – wie hat sich das Unternehmen in dieser Zeit entwickelt? Ralf Glabischnig: Wir sind damals als reiner Dienstleister mit sechs Leuten gestartet. Als Berater für Digitalisierung haben wir unsere Kunden von papierbasierten zu effizienten, digitalen Prozessen begleitet. Technisch gesprochen vom Papier zum PDF zum XML und heute in die Blockchain! Auf diesem Weg hat sich Inacta zu einem «Solution Provider» und «Company Builder» mit 60 Mitarbeitern bei Inacta und über 90 Mitarbeitenden in der Gruppe entwickelt. Heute glauben wir, dass das reine Dienstleistungsgeschäft, das Consulting, wie wir es von früher kennen, keine Zukunft mehr hat, weil sich die Art und Weise der Projekte und die Bedürfnisse der Kunden verändert haben. Sie wollen schneller Ergebnisse sehen und brauchen dafür vorgefertigte Lösungen und Produkte. Und wie entwickeln Sie diese Produkte? Glabischnig: Die Entwicklung solcher Lösungen passiert heute in kleinen, agilen Einheiten. Deswegen haben wir ein Produktentwicklungsteam und verschiedene Tochterund Schwestergesellschaften gegründet. Mit unserer inadox Platform unterstützen wir effiziente Prozesse im Dokumentenmanagement. Im Blockchain-Umfeld haben wir Tokengate.io aufgebaut, mit der wir den Onboardingprozess für ICOs, STOs und auch für Banken mit vollständigem KYC/AML anbieten. Oder inapay, mit dem wir uns in der Welt der Krypto-Payments bewegen. Und dann ist da noch GenTwo Digital, mit der wir jedem Non-bankable Asset eine ISIN geben können. Das alles waren Marktlücken, die wir mit diesen kleinen Einheiten – je maximal 20 Personen – erschlossen haben. So werden wir auch in Zukunft weitermachen, in kleinen agilen Teams gezielt Probleme lösen, statt ein grosses und behäbiges Unternehmen aufbauen. Marco Bumbacher: Genau aus diesem Gedanken heraus haben Ralf und ich vor zehn Jahren Inacta gegründet. In unseren vorherigen Jobs erlebten wir, wie Unternehmen schnell wachsen und ineffizient werden. Wir arbeiteten beide in diversen Führungspositionen und beschäftigten uns fast nur noch mit Forecasts und dem Controlling vom letzten Monat in Excel-Tabellen. Wir wollten aber viel lieber Projekte in kleinen Teams umsetzen. Aus diesem Wunsch wurde unsere Inacta-Vision: Eine kleine Boutique aufbauen, die in einer Nische das Beste anbietet, das es auf dem Markt gibt. Und das ist uns auch gelungen. Mit 60 Mitarbeitern entfernen Sie sich aber deutlich von der Idee der kleinen, agilen Einheit. Bumbacher: Ja, wir sind jetzt an dem Punkt, der bei uns Erinnerungen an frühere Gesellschaften weckt, und wir fragen uns, wie gross wir werden wollen. Wir sind uns einig, dass wir weiterhin gezielt kleine Einheiten bilden, sei dies innerhalb von Inacta oder als ausgegründete Gesellschaft. Die Vision ist heute: Idee, Umsetzung, Go-to-Market und dann eigenständig weitermachen lassen. « Mit Unterstützung durch die Bundesräte Schneider-Ammann und Maurer initiierten wir die Blockchain-Taskforce, um eine vorteilhafte Regulierung zu schaffen. » Marco Bumbacher, Managing Partner, Inacta Digitale Fitness Auf einer Skala von 1 bis 10, als wie « digital fit » bezeichnen Sie … — 9 — — 6 — sich selbst? die Schweiz? — 7 — — 9 — die Finanz branche? Ihr Unternehmen? Der erste bekannte Anwendungsfall einer Blockchain, der Bitcoin, hatte sein Debüt ebenfalls vor zehn Jahren. Wie hat das Ihre Geschäftstätigkeit beeinflusst? Glabischnig: Die Frage ist eher, wie wir in den Blockchain-Space gekommen sind. Wegen unseres steten Wachstums waren wir mehrmals gezwungen, neue Büros zu suchen. Darum gründeten wir 2014 das Lakeside Business Center, um Wachstumsfläche für uns zu haben und die Überkapazitäten an Dritte zu vermieten. Als sich dann in Zug das Crypto Valley zu formieren begann, klopften plötzlich Blockchain-Firmen bei uns an und fragten, ob hier im Business Center schon andere Blockchain-Firmen seien. Pioniere wie Bitcoin Suisse und die Ethereum Foundation hatten 2013/2014 den Grundstein dafür gelegt. Bumbacher: Die Zahl der Blockchain-Firmen im Center stieg dann rasant an. Politiker begannen sich zu interessieren, und unsere Kunden aus dem Versicherungsund Bankenumfeld fragten uns plötzlich, was das Thema Blockchain für sie bedeute, ob es sie betreffe. Ab diesem Zeitpunkt fingen wir an, uns selbst mit der Blockchain zu befassen und das Thema voranzutreiben. Marco Bumbacher (l.) und Ralf Glabischnig gründeten Inacta vor zehn Jahren. Wann war das? Bumbacher: Vor etwa drei Jahren. Kurz davor hatten wir damit angefangen, uns intensiver mit Start-up-Investments zu beschäftigen und haben uns dazu mit Mathias Ruch, einem dritten starken und komplementären Partner, ergänzt und gemeinsam Lakeside Partners gegründet. Mit Mathias hatte ich bereits in den 90er-Jahren gemeinsam Firmen während des Internethypes gegründet. Heute sind im Lakeside Business Center und vor allem bei Crypto Valley Labs über 200 Firmen eingemietet, die sich ausschliesslich mit Blockchain-Technologie beschäftigen. Glabischnig: Befeuert wurde das Ganze zusätzlich durch die von uns lancierte «Blockchain Competition». Zu gewinnen gab es an dem Wettbewerb 100 000 Dollar für die beste Anwendungsidee der Blockchain. Den ersten Wettbewerb starteten wir 2016 für die Versicherungsbranche, den zweiten für die Finanz industrie und den dritten für Real Estate. Das war für uns extrem spannend, weil wir bei jedem Wettbewerb jeweils über 100 Ideen aus mehr als 30 Ländern erhielten. Dabei haben wir enorm viel gelernt und auch die Schweizer Corporate-Welt eingebunden. Zum Beispiel? Bumbacher: Wir haben gemerkt, dass wir uns engagieren müssen und haben auf politischer Ebene eine sehr aktive Rolle eingenommen. Denn der Schweiz, respektive Zug fehlten zwei Rahmenbedingungen, die nötig sind, um ein Blockchain-Ökosystem aufzubauen: Regulierung und Infrastruktur für Start-ups im Sinne von Büros, Inkubatoren, Treffpunkten. Mit Unterstützung von den Bundesräten Johann Schneider-Ammann und Ueli Maurer initiierten wir deshalb die Blockchain-Taskforce, bei der es darum ging, eine vorteilhafte Regulierung zu schaffen. In diesem Zusammenhang kam ein weiterer wichtiger Partner ins Spiel, Lorenz Furrer, der Gründer von Furrerhugi, einer der stärksten Public-Affairs-Agenturen der Schweiz. Für die Infrastruktur gründeten wir die Crypto Valley Labs, wo wir heute 2500 Quadratmeter Fläche ausschliesslich für Blockchain-Firmen zur Verfügung stellen. Aus Lakeside Partners wurde CV VC (Crypto Valley Venture Capital, Anm. d. Red.), was heute ein eigenständiges Unternehmen mit einem starken Führungsteam unter der Leitung von Mathias Ruch ist. Welches Potenzial hat die Blockchain für den Finanzplatz? Werden die Banken dadurch abgeschafft? Glabischnig: Nein, das glaube ich nicht. Es geht mehr darum, was ihr Geschäft in Zukunft sein wird. Eine der grössten Herausforderungen in Zukunft wird die Aufbewahrung der Tokens sein. Denn bereits heute sind schätzungsweise 16 bis 18 Prozent der Bitcoins verloren, weil die Private Keys verloren sind. So etwas können wir uns nicht erlauben, wenn wir all unsere Werte auf die Blockchain bringen. Wenn sich die Schweizer Banken als Aufbewahrer dieser Werte positionieren, dann kann das international ein sehr spannendes Geschäft für sie werden. Bumbacher: Und wenn die Schweiz als eines der ersten Länder die nötige Regulierung umgesetzt hat, dann werden wir im Ausland weiterhin als sehr vertrauenswürdiger Standort wahrgenommen werden. Für die Langzeitdatensicherung hat die Schweiz diesen Status bereits. Das spüren wir immer wieder, wenn wir im Ausland unterwegs sind. Das gilt es zu nutzen. Ich weiss aber nicht, ob das schon alle Banken verstanden haben. Wie wird das alles das Banking in den kommenden zehn Jahren verändern? Glabischnig: Ich glaube, dass sich die Retailbanken noch mehr in Richtung Automatisierung, Selfservice und Mobile Banking entwickeln werden. Für reine Payment- Prozesse werden wir alternative Lösungen sehen. Beim Private Banking wird es immer mehr um die persönliche Beratung gehen. Beide Arten von Banken werden nicht um die Blockchain herumkommen. Bumbacher: Was wir sicher sehen werden, ist die Tokenization verschiedenster Assets: von Immobilien über Rohstoffe und Rinderfarmen bis hin zu Kunstwerken und Oldtimern – alles was einen Wert hat, wird auf der Blockchain sein. Dadurch wird ein ganz neuer Markt für Investments entstehen. Es wird relativ einfach werden, in Dinge zu investieren, in die man heute nicht oder nur sehr umständlich investieren kann. Banken werden hier die Chance haben, den Kunden diese neuen Arten von Assets vorzuschlagen, auf die sie von selbst nicht kommen würden. Die Banken können diese neuen Assets dann auch wieder in einem Fonds oder Index kombinieren und auch für ihre Kunden sicher aufbewahren. ÜBER INACTA Die 2009 gegründete Inacta AG ist ein unabhängiges Schweizer IT-Beratungsunternehmen mit Sitz in Zug. Rund 60 erfahrene Digitalisierungsexperten unterstützen Organisationen aus der Versicherungs-, Banken-, Immobilien- und der Gesundheitsbranche. Die Information-Management-Experten stehen Start-ups sowie etablierten Unternehmen mit Beratungs-, Ausbildungs- sowie Software-Entwicklungs-Dienstleistungen zur Seite. Als Early Adopter versteht die Inacta nicht nur die Technologien wie zum Beispiel Blockchain, sondern vor allem auch, wie und wo diese sinnvoll eingesetzt werden. Die Inacta engagiert sich zudem als Gründungsmitglied der Crypto Valley Association sowie Swiss Blockchain Federation und leistet damit einen gesellschaftlichen Beitrag zum Wirtschaftsstandort Schweiz und Liechtenstein.

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