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Zukunft-Banking Dezember 2019

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04 Zukunft Banking TRENDSTORY 01. Dezember 2019 | netzwoche.ch/ZukunftBanking | moneytoday.ch Tokenisierung – eine grosse Chance für den Schweizer Finanzplatz Digitale Wertpapiere – in Form von Token – erschliessen effizient bestehende sowie neue Assetklassen für internationale und lokale Märkte. Die Zuger inacta AG macht genau das mit ihrer Plattform Tokengate möglich – und zwar auf der Blockchain. Interview: Marc Landis Daniel Rutishauser (l.), CEO, DSENT & Head of Blockchain, Inacta, Ralf Glabischnig, Gründer und Managing Partner, Inacta. Alles zu Blockchain. Warum ist Tokenisierung wichtig für die Schweizer Finanzindustrie? Ralf Glabischnig: Durch Tokenisierung wird es möglich, brachliegende Vermögenswerte zu aktivieren, sie kosteneffizient in digitale Wertpapiere zu wandeln und zu handeln. Mit diesem neuen Geschäftsfeld ergibt sich für den Schweizer Finanzplatz eine Riesenchance, verlorenes Terrain, wie etwa das des Fonds-Geschäfts, wieder gutzumachen. Denn durch die Tokenisierung entsteht potenziell ein Trilliarden-Dollar- Markt an digitalen Assets. Wo, wenn nicht in der Schweiz, sollte man diese digitalen Assets herausgeben und aufbewahren? Vor allem, wenn man bedenkt, dass in der Schweiz zusammen mit Liechtenstein, dem sogenannten Crypto Valley, sich über 800 Organisationen mit Blockchain und Crypto-Assets beschäftigen und einer der grössten Hubs in diesem Bereich überhaupt ist. Wie genau funktioniert das? Daniel Rutishauser: Bei der «Tokenisierung» wird von einem Asset eine digitalisierte Version erstellt, wodurch ein Asset, etwa eine Immobilie, viel feingestückelter aufgeteilt werden kann. Diese kleinen digitalen Stücke werden Token genannt. Auf der Blockchain können dann mittels kryptographischer Verfahren Transaktionen sicher durchgeführt werden, ohne dass es zentrale Instanzen braucht, welche die VISION 2050 Wie sieht das Banking im Jahre 2050 aus ? Warum spielt Ihre Firma dann noch eine Rolle ? Glabischnig: Vor über 30 Jahren wurde das Worldwide Web aus der Wiege gehoben. Hätten wir damals, als wir mit dem Modem eingewählt hatten, jemals an Video-on-demand geglaubt oder an Unternehmen wie Facebook, Google, Uber und Amazon? Wohl kaum. Genauso ist es mit Blockchain. Bitcoin, als erste Anwendung von Blockchain, ist nun elf Jahre alt. Wir können noch nicht projizieren, was in den nächsten 30 Jahren passieren wird. Wenn die Token-Ökonomien Realität werden, dann wird es auch in 30 Jahren noch Tokengate brauchen, um die Crypto-Assets herauszugeben und inacta, um die Geschäftsmodelle weiter digital abzuwickeln. Wieso ist Ihr Unternehmen spannend für die Generationen Y und Z ? Rutishauser: Diese Generationen wachsen als erste in einer digitalisierten Welt auf. Für sie ist es normal, sich in der physischen und digitalen Welt zu bewegen. Wir sind die Firma, die genau dies ermöglicht. Mit unseren Dienstleistungen und Produkten befähigen wir Firmen, ihre Produkte den nächsten Kundengenerationen oder technikaffinen Kunden anzubieten. Abwicklung bewerkstelligen. Bei der Emission eines Crypto-Assets wird in Anlehnung an den etablierten Kapitalmarkt dann auch nicht mehr von einem Initial Public Offering (IPO), sondern von sogenannten Initial Coin Offering (ICO) gesprochen, bei digitalen Wertpapieren oft auch von Security Token Offerings (STO). « Wir gehen davon aus, dass in Zukunft mehr Liquidität in den KMU-Markt fliessen wird. » Ralf Glabischnig, Gründer und Managing Partner, inacta Und Tokengate kann das leisten? Rutishauser: Genau. Tokengate stellt eine Tokenisierungsplattform zur Verfügung, auf der Unternehmen und Investoren zusammenfinden, daher auch unser Motto «Connecting People and Tokens». Die Idee dabei ist, dass etwa auch Kleininvestoren sich an einem KMU z. B. in ihrer Nähe beteiligen und dabei eine bessere Rendite erzielen können, als wenn sie ihr Geld auf der Bank lagern würden. Das ist natürlich insbesondere im aktuellen Minuszins- Umfeld interessant. KMUs auf der anderen Seite können sich an einem neuen Kapitalmarkt refinanzieren und Kapital aufnehmen, was bisher so nicht möglich gewesen ist. Glabischnig: Wir gehen davon aus, dass in Zukunft mehr Liquidität in den KMU- Markt fliessen wird, und glauben, dass sich der Kapitalmarkt in Richtung KMU verschiebt. KMU haben heute wenig Möglichkeiten, am bestehenden Kapitalmarkt Geld aufzunehmen. Warum ist das so? Glabischnig: Der Hintergrund ist Folgender: Investoren bewerten die Risiken gewichtet zur möglichen Performance als zu hoch, und obwohl Kapital vorhanden wäre, wird dann oft nur zaghaft, wenn überhaupt, investiert. Das hat zur Folge, dass Kapital für Investitionen, die Arbeitsplätze sichern, nicht einfach zu bekommen ist. Gerade KMU, die von Banken wenn überhaupt oft nur noch unter prohibitiven Bedingungen Kredite erhalten, wären froh, wenn sie Zugang zu einem Kapitalmarkt hätten. Dieser war ihnen bis anhin verwehrt, da der Kapitalmarkt in vielerlei Hinsicht auf deutlich grössere Firmen zugeschnitten ist. Das ändern wir mit Tokengate und erschliessen mit dem KMU-Markt für Kleinanleger eine Anlageklasse, die für sie attraktiver ist als die bestehenden Angebote. Wenn unser Konzept aufgeht, entsteht so ein neuer Kapitalmarkt mit solider Performance bei überschaubarem Risiko. Durch die tieferen Kosten als bei bisherigen Finanzprodukten, beispielsweise bei der Aufbewahrung, können Kleinanleger ihr Portfolio mindestens genauso breit diversifizieren, wie es bisher nur in Anlagefonds möglich war. Früher oder später werden aber auch Grossunternehmen, die durchaus jetzt schon Zugang zum Kapitalmarkt haben, von den günstigeren Kosten profitieren wollen und einen Teil ihrer Aktivitäten mittels Token abwickeln. Rutishauser: Wir denken aber noch weiter. Anleger könnten etwa auch einem Bauern in Afrika einen Mikrokredit gewähren. Sogar das lässt sich mit Crypto-Assets abbilden, da die kleine Stückelung der Kredite relativ günstig herausgegeben werden kann und die Transaktionskosten sehr tief sind. Klingt nach einem Paradigmenwechsel. Glabischnig: Ja, das ist es auch. Und, dass die Finanzindustrie an einem Wendepunkt steht, haben die alteingesessenen Geldhäuser auch bemerkt. Mit der Erteilung von Banklizenzen an die Kryptobanken Seba und Sygnum hat die Kryptobewegung deutlich an Momentum gewonnen. Auf einmal sprechen nun auch die traditionellen Banker von «Tokenization», und es gibt ernsthafte Ankündigungen von grossen Banken. Wie können Banken auf den «Tokenisierungs- Zug» aufspringen? Rutishauser: Mit Tokengate ermöglichen wir Banken und Vermögensverwaltern Zugang zur Token-Ökonomie, und zwar auf einer vertrauenswürdigen Marktinfrastruktur, welche die regulatorischen Bedürfnisse berücksichtigt. Während dem ICO-Wettlauf 2017 schien uns eine solche seriöse Plattform ein nötiger Schritt. Einerseits um das Vertrauen in die Krypto-Welt zu fördern, und andererseits, den traditionellen Investoren den Weg zu bahnen, Investitionen zu tätigen. Wir decken die gesamte Wertschöpfungskette ab: vom Design des Finanzinstruments mit unserem Crypto Asset Tool (CAT), über die Emission bis hin zur Anbindung an den Sekundärmarkt – sei es OTC oder an andere Handelsplätze. Mit unserem CAT können Banker und Vermögensverwalter Finanzprodukte Tool-gestützt kreieren und die Token generieren, was das Design des Finanzproduktes erheblich vereinfacht. Welche Möglichkeiten bietet die Tokenisierung von Assets sonst noch? Glabischnig: Tokenisierte Assets sind programmierbar. So kann etwa eine automatisierte Ausschüttung von Dividenden ermöglicht werden. Wir denken, dass damit auch neue Geschäftsmodelle entstehen. « Wir sehen bereits die ersten Token- Ökonomien entstehen, in denen Intermediäre durch DLT ersetzt werden. » Daniel Rutishauser, CEO, DSENT & Head of Blockchain, inacta SO FUNKTIONIERT TOKENGATE Tokengate ist eine Eigenentwicklung der DSENT AG, einer Tochtergesellschaft der inacta AG. Tokengate bedient im Wesentlichen den Primärmarkt, also die Emission von digitalen Vermögenswerten, und ermöglicht insbesondere Investoren den sicheren Einstieg in die Welt der Crypto-Assets. Als Tor für die Token-Ökonomie werden in einem standardisierten und effizienten Ablauf die regulatorischen Auflagen überprüft und so sichergestellt, dass beispielsweise kein Geld gewaschen wird. Die Plattform genügt allen Anforderungen der Emittenten, Finanzinstitute sowie Finanzintermediären. In übersichtlichen Dashboards können die Investoren festlegen, wo sie investieren wollen, während die Finanzinstitute und Finanzintermediäre sicherstellen, dass alle Evidenzen zur Einhaltung der regulatorischen Auflagen gesammelt werden und so ein gut dokumentierter Entscheid gefällt werden kann, die Einlagen anzunehmen respektive abzulehnen. Die Plattform integriert die verschiedenen Marktteilnehmer wie Emittent, KYC-Provider, Finanzintermediäre, Banken oder Crypto-Custodians nahtlos. Alles, was automatisiert werden kann, ist automatisiert. Rutishauser: Dafür müssen aber noch einige Rahmenbedingungen entsprechend ausgestaltet werden. In der Schweiz gibt es etwa die Herausforderung mit der 35-Prozent-Abgabe der Verrechnungssteuer, die Investoren auf Kapitalerträgen entrichten müssen. Das benachteiligt insbesondere Investoren aus dem Ausland, die im Gegensatz zu in der Schweiz Domizilierten, die Steuer nicht in der Steuererklärung zurückfordern können. Wir hoffen, dass wir hier schnell Lösungen finden, damit der Handel mit Crypto-Assets nicht ins Ausland abwandert, wegen der 35% tieferen Performance im Vergleich mit im Ausland emittierten Assets. Wie gross ist der Markt für tokenisierte Assets? Glabischnig: Konservative Prognosen gehen davon aus, dass bis ins Jahr 2027 zehn Prozent der globalen Wirtschaftsleistung über »Distributed-Ledger-Technologien» (DLT), was die Technologie hinter Blockchain ist, abgewickelt werden. Rutishauser: Wir sehen jetzt schon die ersten Token-Ökonomien entstehen, in denen intermediäre Funktionen wie etwa ein Clearing-Haus durch DLT ersetzt wird. Die Token sind dabei das digitale Schmiermittel, welches die neuen Ökosyteme am Laufen hält. Mit der kleinen Stückelung und kosteneffizienten Transaktionen unterstützen Crypto-Assets im Speziellen lokale Wertschöpfungsketten, was dem Anspruch an lokaler Produktion, Nachhaltigkeit sowie Klimaneutralität ein starkes Mittel in die Hand gibt. Nun müssen wir in der Schweiz für Rahmenbedingungen sorgen, welche die Blockchain-Ökonomie fördern und nicht ausbremsen, dann haben wir die Chance, die Schweiz zum Krypto-Hub oder zum Tokenisierungs- Hub zu machen. Die Token werden gemäss den Investitionsentscheidungen der Investoren automatisiert generiert und verteilt. Somit können auch hier Missbrauch sowie mögliche Fehler aus manuellen Eingaben, unterbunden werden. Sicherheitsbedenken werden durch die Auswahl von führenden Crypto Custody Solutions und State-of-the-Art-Sicherheitsvorkehrungen minimiert. Die Transfers der Einlagen in Fiat- oder Kryptowährungen finden ausserhalb von Tokengate statt. Tokengate verifiziert aber die Zahlungen. Die Möglichkeit, die Token als Wertpapier zu verbriefen, macht den Service komplett und die Crypto-Assets durch die Vergabe einer Schweizer ISIN auch im traditionellen Finanzmarkt handelbar. Auf Kundenwunsch können die Prozesse flexibel angepasst respektive andere Drittparteien integriert werden. Das Tokengate-Team operiert aus dem Herzen des Crypto Valley in Zug und gilt durch seine langjährige Erfahrung im Blockchain-Bereich als Pionier sowie als professionelle Anlaufstelle für Banken und Vermögensverwalter. (Quelle: inacta)

01. Dezember 2019 | netzwoche.ch/ZukunftBanking | moneytoday.ch Zukunft Banking DIGITALISIERUNG IST CHEFSACHE #seba 05 « Bei SEBA wollten wir die ‹Mutter aller Banklizenzen› haben » Nach der Karriere bei der Grossbank und der Selbstständigkeit mit einem Family-Office hat Guido Bühler zusammen mit dem Gründungsteam « die Bank der Zukunft » gebaut. Mit SEBA will Bühler Kryptowährungen und digitale Anlagen im voll regulierten Bankenumfeld zum Durchbruch verhelfen und mit der traditionellen Finanzwelt zusammenführen. Interview: Marc Landis, Redaktion: Kevin Fischer Welche Bedeutung haben Blockchain und Kryptowährungen zukünftig in der Schweiz? Guido Bühler: Ich bin sicher, dass die Blockchain als Distributed-Ledger-Technologie (DLT) ein grosses Potenzial birgt und in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird. Sie kann in der Finanzindustrie vieles vereinfachen, insbesondere das Settlement von Finanzflüssen, und sie eignet sich perfekt zum Übertragen von Werten. Zudem bringen Blockchain und Kryptowährungen Warenhandel, Servicehandel und den Finanzfluss zusammen. Ebenso glaube ich, dass DLT und digitale Anlagen, speziell Währungen, auch auf Staatsebene und sozialpolitisch vieles verändern können. Die neue Technologie kann Transparenz in jeden Verwaltungsakt bzw. jeden Geschäftsvorgang bringen, sowohl vom Bürger zum Staat wie auch vom Staat zum Bürger. Eine digitale Identität stellt die Integrität einer Person sicher und lässt diese gleichzeitig Einfluss auf das Netzwerk nehmen. Die darunterliegenden Daten können in Zukunft auch als Vermögenswert gehandelt und von der jeweiligen Person verwaltet werden. Beispielsweise würde der Wert persönlicher Daten zum effektiven Besitzer zurückgeführt. Zudem denke ich auch, dass die Blockchain die sogenannte Shared Economy weiter beflügeln wird. Denn auf der Blockchain können Nutzungsrechte für eine Dienstleistung oder ein Angebot für eine bestimmte Zeiteinheit hinterlegt werden. Der dezentrale Gedanke von DLT passt sehr gut zum Regierungssystem der Schweiz und dem Föderalismus, wo die Verantwortlichkeiten auf Bund, Kantone und Gemeinden verteilt sind: Alle Teilnehmer haben quasi eine gemeinsame Schreibund Leseberechtigung. « DLT erlaubt es nun, das Thema Geld zurückzunehmen und die Wertschöpfung wieder in den Vordergrund zu stellen. » Guido Bühler, CEO, SEBA professionelle Kunden anbieten und mit traditionellen Assets zusammenbringen können. Wir möchten ein neues Kundenerlebnis schaffen mit digitalen Lösungen, aber auch als physische Bank. Die Interaktion mit uns soll emotional, transparent und kosteneffizient sein. Wir sehen uns im Vergleich zu traditionellen Banken nicht als «Gatekeeper», sondern als Verstärker von Vermögen und Marktwissen. Wie viele Kunden haben Sie? Seit dem Beginn im Oktober haben wir 15 dedizierte Kunden an Bord geholt. Seit Anfang November sind wir für alle Kundensegmente der Schweiz offen und fleissig am Onboarden. Im Dezember öffnen wir uns dann auch für internationale Kunden. Wie sieht die SEBA-Roadmap aus? Die meisten Produkte und Dienstleistungen, die wir auf den Markt bringen wollen, sind bereit – darunter auch die SEBA-Karte, die Trading-Plattform und das erste Investment-Produkt. Weitere technologische Features und Produktideen sind in Planung. Wie sehen Sie die Zukunft des Schweizer Finanzplatzes? Welche Veränderungen stehen mittel- und langfristig ins Haus? Die Schweiz hat immer schon das Image von Vertrauen, Qualität, Neutralität und Seriosität gehabt. DLT erlaubt es nun, das Thema Geld zurückzunehmen und die Wertschöpfung wieder in den Vordergrund zu stellen. Am Standort Schweiz sind wir dafür bestens positioniert. DLT wird extrem wichtig werden und neue globale Player kreieren. Wir werden hoffentlich einer dieser Player sein. Welche Eigenschaften machen die Blockchain so interessant für die Finanzindustrie? Die Blockchain eignet sich einerseits für Digitalisierung von Assets, also von Vermögenswerten. Das kann eine Kryptowährung wie Bitcoin sein, der erste Anwendungsfall einer Distributed-Ledger-Technologie. Neben Bitcoin rollt eine nächste Welle, die Digitalisierung von materiellen und immateriellen Vermögenswerten an. Verschiedene Berichte gehen davon aus, dass das Marktvolumen in den nächsten fünf Jahren auf 20 Billionen Dollar wachsen wird. Zweitens eignet sich die DLT für die rechtssichere Übertragung von Eigentum. Der springende Punkt daran ist: «The trade equals the settlement». Und das ist das eigentlich Revolutionäre: Im Moment der Übertragung etwa einer digitalisierten Aktie ist auch der Prozess des «Verschiebens der Aktien» von einem Depot ins andere erledigt. Es gibt keine Nachhandelsaktivitäten aus und keine Wartezeiten. Der dritte Vorteil: Wer mit Krypto- Assets handelt, erhält einen privaten Key für den Zugang zum entsprechenden Kryptowallet. Die Hinterlegung des Private Key kann als optimale Sicherheit, etwa bei Kreditgeschäften, verwendet werden. Die vierte und wichtigste Eigenschaft ist die Tokenisierung selbst. Dieser Akt der «Origination» von digitalen Vermögenswerten ermöglicht erst die Distribution und damit die Marktkapitalisierung. Technisch gesehen ist aber nicht die Tokenisierung die Herausforderung, sondern zu verstehen, wie man Wert generieren kann, wenn man etwas tokenisiert. Hier befinden wir uns zum Teil noch etwas auf einer naiven Ebene. Es wird wild drauflos tokenisiert, weil man es kann, statt weil es sinnvoll ist. Wenn man tokenisiert, um Liquidität zu kreieren, muss man einen Markt mit mindestens 100 Millionen Schweizer Franken haben. Das ist nicht automatisch immer der Fall. Ausserdem denken viele, dass sie tendenziell uninteressante Assets auf einfache Weise liquidieren können, nur weil sie sie tokenisieren können. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, SEBA zu gründen? Ich komme aus der Finanzindustrie und habe jahrelange Erfahrung in der internationalen Unternehmensfinanzierung. Mit einem Geschäftspartner habe ich vor SEBA ein Family-Office für Industrie-Familien Digital Mindset Auf einer Skala von 0 bis 10: — 7 — — 9 — Wie digital fit sind Sie? Wie digital fit ist Ihr Unternehmen? — 10 — — 9 — Wie sehr werden Wie sehr möchten neue Technologien Sie als Opinion (wie AI, Machine Leader in diese Learning, Blockchain, neuen Technologien AR/VR) die Branche für die Zukunft verändern? investieren? geführt. Unsere Kunden interessierten sich damals für Technologie-Investments, Blockchain und wollten auch Kryptowährungen in ihren Portfolios. Und so habe ich begonnen, mich intensiv damit auseinanderzusetzen. Dabei habe ich auch die Stärken der Blockchain bzw. DLT für das Finanzsystem erkannt. Mir wurde zudem klar, dass wir mit diesem Thema nur dann Erfolg haben, wenn wir das ganze Finanzsystem inklusive Regulator in unsere Überlegungen miteinbeziehen. Denn wenn man Vermögenswerte von einem Kunden zum anderen verschieben möchte, ist man schnell im regulierten Bereich unterwegs. Zudem vertraut ein vermögender Kunde sein Geld nicht einem x-beliebigen, unregulierten FinTech-Start-up an. Regulierung bedeutet auch die Sicherheit, dass Branchenstandards eingehalten werden und die Geschäftsprozesse entsprechend ausgestaltet sind. Da kam mir die Idee, SEBA zu gründen mit allem, was es für eine «richtige Bank» braucht. Und mir wurde auch klar, dass ich die «Mutter aller Banklizenzen» haben wollte. Und diese vergibt die eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma. Was genau bietet SEBA an? Ich stehe zu meinen Wurzeln und habe mit SEBA eine Art kleine Universalbank gebaut (lacht); Wir haben mit SEBA eine vollintegrierte Bank gebaut; eine Bank, die den primären wie auch den sekundären Markt abdeckt und sowohl institutionelle wie auch professionelle Privatinvestoren bedienen kann. Retailbanking bieten wir nicht an, ausser für Blockchain-Firmen und deren Mitarbeiter. Wir nennen SEBA «the bank for the new economy», ohne Grenzen zwischen Fiat- und Kryptowährungen, mit einem umfassenden Angebot für Primär- und Sekundärmarkt, ohne Grenzen zwischen traditionellen und digitalen Assets. Über die SE- BAwallet App können traditionelle gegen Kryptowährungen und umgekehrt getauscht werden. Mit der SEBA Card kann global überall, wo man mit Kreditkarte bezahlen kann, bezahlt werden. SEBA hat im August die Banklizenz erhalten. Was bedeutet das für Sie? Die Banklizenz ist das Eintrittsticket, um ganzheitlich und ohne Restriktionen auf Augenhöhe mit den anderen Teilnehmern im Schweizer Finanzmarkt zu agieren. Nur mit Lizenz können wir die Brücke zwischen der neuen digitalen und der traditionellen Finanzwelt schlagen und unseren Kunden die höchstmögliche Sicherheit und Vorteile in einem anspruchsvollen Marktumfeld geben. Wir können vollwertig tätig sein und bewährte Modelle auf die neue Anlageklasse überführen. So haben wir beispielsweise einen dynamischen Index für Kryptowährungen auf den Markt gebracht und folgen dem Trend des Index Investing im traditionellen Banking. Wie unterscheidet sich SEBA von einer traditionellen Bank? Wir sind extrem gut positioniert auf dem Markt und aktuell die einzigen, die digitale Vermögenswerte über den gesamten Lebenszyklus – d.h. Custody Storage, Zahlungsverkehr, Handel, Asset und Wealth Management und zukünftig auch Tokenisierung – für institutionelle und private VISION 2050 Wie sieht Banking im Jahr 2050 aus ? Warum ist Ihr Unternehmen dann noch wichtig ? Ein SEBA-Kunde fährt mit seinem Hoverbike an einen Kundentermin. Verlinkt mit dem Sensor in seinem T-Shirt meldet ihm sein digitaler Health Advisor, dass ein spezifischer Medikamentenhersteller Gesundheitsdaten passend zu seinem Profil sucht und kauft. Der Kunde veranlasst über den SEBA-Voice-Assistenten mittels digitaler ID den Datentransfer aus seinem SEBA-Konto an das Unternehmen und nennt die digitale Währung, in der er seine Vergütung erhalten möchte. Warum ist Ihr Unternehmen spannend für die Generationen Y und Z ? Die beiden Generationen sind gegenwärtig die wichtigste Konsum-, Anleger- und Wählergruppe. Sie möchten ihr Umfeld aktiv mitgestalten. Für sie sind Werte wie Nachhaltigkeit, Transparenz, Mitspracherecht bzw. Einflussnahme zentral. In der Shared Economy ist der effiziente Zugang bzw. Flexibilität wichtiger als Eigentum. SEBAs Leitgedanke besteht darin, Kunden in ihrem Wunsch nach mehr Effizienz und Transparenz zu unterstützen. Deshalb teilen wir unser Technologie- und Finanzwissen aktiv mit der Gesellschaft und entwickeln Lösungen, die aktuellen und insbesondere zukünftigen Finanzbedürfnissen nachkommen. Dank den Eigenschaften von DLT (hohe Sicherheit, Transparenz, Unveränderlichkeit) können wir bisherige Prozesse massiv vereinfachen und mehr Komfort, Transparenz und Sicherheit ins Finanzsystem bringen.

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