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Zukunft-Banking Juli 2020

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10 Gamechanger

10 Gamechanger Zukunft Banking TOPSTORY #postfinance 12. / 13. Juli 2020 | netzwoche.ch/ZukunftBanking | moneytoday.ch PostFinance demo kratisiert die Vermögensverwaltung Anfang Mai 2020 hat PostFinance neue Produkte zur Vermögensverwaltung, Anlageberatung und zum selbstständigen Investieren lanciert. Entgegen dem Trend zu rein digitalen Lösungen, wie etwa Robo-Advisory, setzt das Unternehmen auf eine durchgängig hybride Customer Journey. Mit den Produkten will PostFinance die Vermögensverwaltung massentauglich machen. AUTOR: COLIN WALLACE, REDAKTION: MARC LANDIS Kunden können sich zwischen vier Anlageformen entscheiden. Claudia Bläuenstein, Leiterin der Abteilung Investment Development, PostFinance Wer sein Vermögen von einer Bank verwalten lassen will, muss mit hohen Kosten rechnen, wie eine Studie von «moneyland.ch» aus 2019 zeigt. Ein weiterer Nachteil sind die oft hohen Mindesteinlagebeträge, um überhaupt Vermögensverwaltungsdienstleistungen in Anspruch nehmen zu können. Dies macht Vermögensverwaltungsangebote – vor allem für Normalverdienende – wenig attraktiv. Robo-Advisory sollte dies ändern. Dabei handelt es sich um regelbasierte Vermögensverwaltung, die automatisiert online abgewickelt wird und vor allem auf passiven Exchange Traded Funds (ETFs) basiert. Diese passiven Anlageinstrumente bieten oft tiefere Mindestbeträge als die herkömmliche Vermögensverwaltung, da durch die Automatisierung auch die Kosten auf Seiten der Anbieter niedriger sind. Kunden müssen jedoch meist auf Beratung verzichten – doch diese würden digital affine Kunden durchaus wertschätzen. Auf der anderen Seite eignen sich reine Onlineprodukte auch nur bedingt für potenzielle Anleger, die sich unsicher im Cyberspace bewegen. Nicht zuletzt bestehen nach wie vor Hemmungen in der Bevölkerung, ihr Geld einer Maschine anzuvertrauen. PostFinance möchte nun diese Lücke zwischen den beiden Modellen ausfüllen. Der Zeitpunkt für den Einstieg ins Anlagegeschäft ist gewagt, führte die Coronapandemie im Frühjahr doch zu starken Einbrüchen an der Börse. Doch laut Daniel Mewes, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter Investment Solutions bei PostFinance, sehen Anleger, die schon länger auf einen Einstiegszeitpunkt gewartet haben, die Krise als guten Zeitpunkt für den Einstieg. Zudem seien die Produkte «auf langfristige Investitionen ausgelegt und nicht im spekulativen Bereich des Anlagegeschäfts angesiedelt». Deshalb habe sich PostFinance entschieden, die neuen Anlageprodukte noch während der Coronakrise zu lancieren. Diese Produkte sollen «die Vorzüge der klassischen und der reinen Online-Vermögensverwaltungen miteinander vereinen». Unsere Produkte sind auf lang - fristige Investitionen ausgelegt. Daniel Mewes, Leiter Investment Solutions, PostFinance «Vermögensverwaltung für Herrn und Frau Schweizer» So stellt PostFinance ihren Kunden seit Mai 2020 eine Palette mit vier neuen Angeboten im Anlagegeschäft zur Verfügung. Auf den ersten Blick seien die Angebote keine Gamechanger, was Technik oder Innovation anbelangt. Beispielsweise werden Portfolios nicht etwa von Robo-Advisors, sondern von einem Anlageausschuss verwaltet. Der «Gamechanger» liegt laut Daniel Mewes in der Vielfalt und Zugänglichkeit des Angebots: «Zum ersten Mal gibt es die Vermögensverwaltung für Herrn und Frau Schweizer bei einer schweizweit relevanten und physisch präsenten Bank». Das Ziel sei es, Kunden erschwingliche Vermögensverwaltung mit tiefen Mindestbeträgen anzubieten. Dabei sollen Kunden selbst entscheiden können, in welchem Ausmass sie auf Beratungsdienste zurückgreifen möchten, wie individuell sie ihre Anlagestrategie gestalten und ob sie ihr Portfolio selbst verwalten wollen. Sie sollen die Möglichkeit haben, klassische Vermögensverwaltungs- sowie Anlageberatungsdienste zu erhalten – zum Preis von Robo-Advisory. Durch die Grösse von PostFinance hat die Bank eine andere Ausgangslage als kleinere Banken oder Fintechs. Wenn nur schon ein kleiner Teil des Kundenstamms von PostFinance die neuen Lösungen nutze, seien die Volumina bereits grösser als bei vielen Fintechs im Bankensektor, ist Mewes überzeugt. «Nur so ist es auch möglich, nichtautomatisierte Vermögensverwaltung zum Preis von Robo-Advisory zu betreiben, da die Betriebskosten bei aktiv verwaltetem Vermögen höher sind als bei rein passiv verwalteten ETFs», erklärt Mewes weiter. Jeder so, wie er mag PostFinance setzt bei ihren Lösungen auf durchgängig hybride Prozesse. So können sämtliche Anliegen der Kunden, von der Anmeldung bis hin zur Beratung, rein digital geregelt werden. «Die Akzeptanz von digitaler Beratung, etwa über Video, ist durch die Coronakrise in den letzten Monaten gestiegen», führt Mewes aus. Doch ziehen Kunden den persönlichen Kontakt vor, ist auch eine persönliche Beratung und Verwaltung in einer Filiale möglich. Durch diesen hybriden Ansatz will PostFinance eine breite Masse von bestehenden und potenziellen Kunden ansprechen: Einsteiger und Fortgeschrittene, jung, alt, digital, analog. «Wir differenzieren uns von der Konkurrenz durch Einfachheit in Bezug auf die Gestaltung und Leistung unserer Produkte», sagt auch Claudia Bläuenstein, die als Leiterin der Abteilung Investment Development massgeblich an der Konzeption und Realisierung der Anlagelösungen beteiligt war. «Kunden können nicht nur den Kanal wählen, über den sie mit PostFinance interagieren, sondern sich auch zwischen vier verschiedenen Anlageformen entscheiden», erklärt Bläuenstein. Delegation Für potenzielle Kunden, die lediglich ihre Anlagestrategie wählen und sich zurücklehnen wollen, bietet PostFinance die (Bild: PostFinance) E-Vermögensverwaltung. Bei dieser Form der Vermögensverwaltung übernehmen die Anlageexperten von PostFinance die Anlageentscheide und optimieren das Portfolio. Die Entscheidungen basieren hierbei auf dem Anlegerprofil, der Anlagedauer und dem gewählten Anlagefokus. «Der Vorteil dieses Produkts besteht vor allem im Komfort für die Anleger, da sie sich nach der Eröffnung um nichts weiter zu kümmern brauchen», sagt Bläuenstein. Das Portfolio und seine Performance können jederzeit online überprüft werden, und bei Bedarf kann auch ein Beratungstermin vereinbart werden. Mit einer Dienstleistungsgebühr von 0,75 Prozent und einem Mindestanlagebetrag von 5000 Franken ist die E-Vermögensverwaltung deutlich günstiger und zugänglicher als traditionelle aktive Vermögensverwaltung. AUF EINEN BLICK Die Anlagelösungen von PostFinance: ▪▪ Bei der E-Vermögensverwaltung wählen die Kundinnen und Kunden eine Anlagestrategie sowie einen der drei Anlagefokusse «Schweiz», «Global» oder «Nachhaltig» und delegieren die Verwaltung ihres Vermögens an PostFinance. Die Bank überwacht das Portfolio laufend und nimmt wo nötig Anpassungen vor. Der Kunde kann den investierten Anlagebetrag selbstständig zu jedem Zeitpunkt erhöhen oder reduzieren. Mindesteinlagebetrag: Ab CHF 5000.– ▪▪ Bei der Fondsberatung Basis treffen die Kundinnen und Kunden ihre Anlageentscheide selbstständig. Auf Wunsch können sie sich auch online oder persönlich von einem Kundenberater oder einer Kunden beraterin von PostFinance beraten lassen. Mindesteinlagebetrag: Ab CHF 2000.– ▪▪ Bei der Anlageberatung Plus wählen die Kundinnen und Kunden eine Anlagestrategie sowie einen der drei Anlagefokusse «Schweiz», «Global» oder Beratung Wer als Anlegerin oder Anleger gerne selbst die Fäden in der Hand hält, findet bei PostFinance zwei Anlageprodukte, die genau dies ermöglichen, ohne dass man dabei auf Beratungsleistungen verzichten muss. Im Vergleich zur «Fondsberatung Basis» erhalten Kunden mit der «Anlageberatung Plus» regelmässig individuelle Anlage- und Umschichtungsvorschläge für ihr Portfolio. Zudem steht ihnen ein persönlicher Anlageberater zur Verfügung. Doch auch Kunden mit dem Basispaket können Beratung in Anspruch nehmen. Selbstständig Für erfahrene Anleger gibt es den sogenannten Selfservice Fonds, das einzige Produkt ohne individuelle Anlageberatung. PostFinance stellt ein Angebot an Fonds zur Verfügung, aus denen Kunden selbstständig auswählen und investieren. Zusätzlich besteht ausser Einzelzeichnungen die Möglichkeit, mittels Fondssparplan regelmässige Investitionen ab 20 Franken zu tätigen. Bei PostFinance wird viel Spargeld parkiert, das weder aus Sicht Kunde noch aus Sicht PostFinance interessant ist – vor allem im derzeitigen Zinsumfeld lässt sich mit Anlegen langfristig mehr aus dem eigenen Vermögen machen. Darüber hinaus gibt es viele Kunden, die zwar ihr Erspartes bei PostFinance aufbewahren, ihr Anlagegeschäft jedoch bei anderen Banken betreiben. Die neuen Produkte stellen laut Daniel Mewes eine Möglichkeit dar, diese und weitere Kunden «vollends» zu PostFinance zu holen. Ziel sei es, bis Ende 2021 einige Tausend Kunden für die Lösungen zu gewinnen. «Nachhaltig» aus und erhalten eine individuelle Beratung – ganz nach Wunsch digital oder durch einen spezialisierten Kundenberater. Weicht das Anlageportfolio von der gewählten Anlagestrategie ab, benachrichtigt PostFinance ihre Kundinnen und Kunden automatisch und unterbreitet ihnen digital neue Anlage- oder Umschichtungsvorschläge, die sie annehmen oder ablehnen können. Mindesteinlagebetrag: Ab CHF 5000.– Empfehlung von PostFinance: Ab CHF 80 000.– ▪▪ Beim Selfservice Fonds treffen die Kundinnen und Kunden ihre Anlageentscheide selbst und verzichten auf eine kundenspezifische Beratung. Sie tätigen ihre Anlagen komplett online. Einzelzeichnung: Ab CHF 2000.– Fondssparplan: Ab CHF 20.– Die Palette an Investitionsmöglichkeiten besteht je nach Lösung aus dem Angebot von PostFinance Fonds, ausgewählten Fonds von Drittanbietern und Exchange Traded Funds. (Quelle: PostFinance)

12. / 13. Juli 2020 | netzwoche.ch/ZukunftBanking | moneytoday.ch Zukunft Banking INNOVATION IST CHEFSACHE #philoro Gamechanger 11 «Wenn man in Gold investieren will, ist jetzt ein guter Zeitpunkt dafür» Früher lief der Goldeinzelhandel vor allem über Banken. Mittlerweile beziehen in der Schweiz laut einer Studie der HSG und philoro nur noch 55 Prozent ihr Gold bei einer Bank – der Rest wird über Spezialisten und Privathändler abgesetzt. Christian Brenner, Geschäftsführer von philoro Schweiz, gibt Einblicke in den sich wandelnden Goldmarkt und erklärt, weshalb sich Gold und Bitcoin durchaus ähneln. INTERVIEW: MARC LANDIS, REDAKTION: COLIN WALLACE Inwiefern sehen Sie sich mit philoro als Gamechanger in der Schweizer Finanzbranche bzw. im Goldhandel? Christian Brenner: Den Ausdruck «Gamechanger» hört man mittlerweile relativ oft in der Branche, Anglizismen generell. Mir gefällt der Begriff «Paradigmenwechsel» eigentlich besser, da er viel umfassender ist. Ein Paradigmenwechsel ist die Veränderung einer grundsätzlichen Denkweise – sowohl bei den Kunden als auch für uns als Unternehmer. Die Banken haben sich in den vergangenen Jahren immer mehr aus dem Goldhandel zurückgezogen, und es gibt immer weniger Filialen. So verschwinden die Bezugsquellen für physisches Gold. Wir bei philoro sind vor mehr als zehn Jahren in diese Bresche gesprungen. Mittlerweile sind wir einer der Marktführer der Branche. Diesen Paradigmenwechsel haben wir mitgeprägt. Wir verstehen unser Geschäftsmodell insofern als disruptiv, als dass wir die Geschäfte im Goldhandel übernehmen, die bisher von Banken getätigt wurden. Das Sortiment bei philoro ist breiter, tiefer und wir haben eine bessere Beratung. Das wird auch von unabhängiger Stelle bestätigt: Für unser Know-how haben wir in den letzten fünf Jahren über 100 Auszeichnungen erhalten. Wie hat sich der Edelmetallhandel denn konkret in den vergangenen Jahren verändert? Vor zehn Jahren wurden 95 Prozent der verkauften Edelmetalle über Banken vertrieben. Mittlerweile liegt der Anteil der Banken am Goldhandel in der Schweiz noch bei 55 Prozent. Weiter hat sich die Verfügbarkeit der Ware verändert. Kunden möchten die Ware heutzutage möglichst sofort in den Händen halten. Bei philoro haben wir das sehr rasch erkannt und halten daher die Edelmetalle vorrätig im Geschäft. Und wenn Kunden online bestellen, möchten sie ihre Lieferung in zwei bis drei Tagen erhalten und nicht drei oder vier Wochen warten. Auch verändert hat sich der Druck auf die Handelsmarge im Goldhandel. Sie liegt heute noch bei rund ein bis zwei Prozent. Vor zehn Jahren noch hat man mit dem Goldhandel das Vier- oder Fünffache verdient. Vom Rohprodukt bis zum fertigen Goldbarren müssen sich alle Teilnehmer der Wertschöpfungskette diese wenigen Prozente teilen. Es braucht also einen hohen Umsatz, um als Goldhändler Geld zu verdienen. Im Gegenzug hat man als Kunde ein ehrliches Produkt, das auch seinem tatsächlichen Wert entspricht. Gemeinsam mit der HSG gaben Sie im April 2020 zum zweiten Mal den Edelmetall-Atlas Schweiz heraus. Welches sind die wichtigsten Erkenntnisse daraus? Ganz neu ist dieses Jahr, dass wir erhoben haben, wie viel Gold sich in der Schweiz in Privatbesitz befindet. Die Schweiz ist übrigens einsame Spitzenreiterin beim Pro- Kopf-Besitz, 130 Gramm Gold besitzt im Durchschnitt jede Bewohnerin bzw. jeder Bewohner. Das sind insgesamt 920 Tonnen Gold. Zum Vergleich: Auf Platz zwei ist Deutschland mit 75 Gramm pro Person. In der Schweiz scheint die Bevölkerung also eine grosse Affinität zu Gold zu haben und deshalb wunderte es mich, dass es bisher keine solchen Studien in der Schweiz gab, wie wir sie nach 2019 nun dieses Jahr das zweite Mal in Zusammenarbeit mit der HSG durchgeführt haben. 2019 gaben noch 65 Prozent der Befragten an, dass sie ihr Gold bei einer Bank bezögen. Dieses Jahr waren es nur noch 55 Prozent. Kunden suchen also immer öfter den Spezialisten auf, in diesem Fall vor allem uns. Wir haben ausserdem herausgefunden, dass Gold mittlerweile die beliebteste Anlageklasse für Schweizer ist, gleichauf mit Immobilien. Aktien finden sich erst auf Platz drei. Ob sich das so auch in den Portfolios der Schweizer Anleger widerspiegelt, wissen wir allerdings nicht. Hauptmotiv war nicht, wie in der Vergangenheit oft genannt, rein der Vermögensaufbau. Unsere Kunden suchen nach Stabilität, Werterhalt und allen voran: Sicherheit. Wie tragen Sie den veränderten Ansprüchen der heutigen Kundschaft Rechnung? Die Kunden von heute sind kaum mehr vergleichbar mit der Kundschaft vor zehn oder zwanzig Jahren. Die Käufer sind heute deutlich informierter, kennen die Preise und verstehen auch, wie man diese drücken kann. Generell sind die Kunden heute anspruchsvoller und digitaler, und das meine ich durchaus im positiven Sinn. Mittlerweile machen wir rund dreissig Prozent unserer Verkäufe über unsere Onlineplattform, Tendenz steigend. Wir sehen auch, dass die Hemmschwelle bei den Kunden, auch grosse Geldbeträge online zu investieren, gesunken ist. Ein weiterer Service, den wir unseren Kunden bieten, ist die Selbstabholung nach der Online-Bestellung. Wir als Gold-Spezialisten mit eigenem Filialnetz profitieren davon, dass wir unsere Kunden nach einem unpersönlichen Kauf im Internet auch noch persönlich kennenlernen dürfen. Unsere Philosophie bei philoro ist: Je digitaler die Gesellschaft wird, desto höher wird der Anspruch an die persönliche Begegnung. Daher ist uns die Begegnungsqualität in den Filialen extrem wichtig. PERSÖNLICH ÜBER CHRISTIAN BRENNER Christian Brenner wurde 1979 in Wien geboren und verfügt über mehrjährige Erfahrung im Goldhandel. In der Vergangenheit war er vorwiegend im Bereich Grosshandel tätig. Er konnte da rüber hinaus Erfahrung im Werbeund Medienbereich etwa bei ProSiebenSat.1 sammeln. Die Affinität zu Edelmetallen blieb aber seit Anbeginn sein Steckenpferd. Als Präsident des Verwaltungsrats der philoro SCHWEIZ AG leitet er von St. Gallen aus die Geschicke des Schweiz-Geschäfts von philoro. Wir haben ausserdem herausgefunden, dass Gold mittlerweile die beliebteste Anlageklasse für Schweizer ist, gleichauf mit Immobilien. Christian Brenner, Verwaltungsratspräsident, philoro Gold gilt vielen Anlegern gerade in Krisenzeiten als sicherer Hafen, da der Goldmarkt nicht sehr volatil ist. Welche Auswirkungen wird die Coronapandemie auf Gold als Anlage haben? Wir steuern ja nicht nur auf eine Rezession zu, wir sind bereits mittendrin. Es wird irre viel Geld in den Markt reingepumpt, wir haben eine höhere Inflation, wir haben Negativzinsen. In so einem Umfeld performt Gold sehr gut. Das zeigt sich auch im Handel: In den letzten paar Wochen war die Handelsfrequenz teilweise zehnmal so hoch wie im Vergleich zum Vorjahr. Gold bietet Sicherheit und Stabilität, und die Verwerfungen an den Aktienmärkten haben gezeigt, dass das Vertrauen in die Märkte und auch in die monetären Experimente, die aktuell stattfinden, in Frage gestellt wird. Daher sehe ich die Zukunft für Gold – und auch für den Goldpreis – in den nächsten Jahren sehr positiv. Bitcoin als Anlage wird oft mit Gold verglichen, da sie gewisse Eigenschaften teilen: Etwa der Fakt, dass beide Ressourcen endlich sind. Was halten Sie von diesem Vergleich? Das finde ich als Vergleich eigentlich ganz passend. Es wird eine Koexistenz geben zwischen Gold und einer Kryptowährung. Nicht nur die Endlichkeit ist eine Gemeinsamkeit von Gold und Bitcoin, auch die Stock-to- Flow Ratio, also das Verhältnis zwischen der verfügbaren Menge eines Guts und der Menge neu gewonnenen Guts, ist analog zu betrachten. Ich sehe viel Potenzial in dieser Technologie und ebenso viel Potenzial darin, beide Anlageklassen miteinander zu verbinden. Gold ist nicht nur eine Anlage, sondern wird auch in verschiedensten Industriezweigen verarbeitet. Welche Auswirkungen hat die Coronakrise auf die Nachfrage von Seiten der Industrie? 50 Prozent der Goldnachfrage kommt aus der Schmuckindustrie, 30 Prozent aus dem Bereich Anlage, Münzen und Barren, 13 Prozent greifen Notenbanken ab und der restliche Anteil fliesst in die Technologie. In beinahe jedem modernen technischen Gerät ist mittlerweile Gold enthalten. Je digitaler und technologisierter unsere Gesellschaft wird, desto wichtiger wird Gold. Doch da nur sieben Prozent der Nachfrage aus dem Technologiebereich kommen, hat die Coronakrise in dieser Hinsicht keinen allzu grossen Einfluss auf die Gesamtnachfrage. Die Coronakrise führte aber zu Unterbrüchen in der Versorgungskette. Wie haben Sie die Versorgung sichergestellt? 75 Prozent der weltweit hergestellten Goldbarren werden im Tessin produziert. Und aufgrund des Shutdowns waren die Produzenten nicht in der Lage zu produzieren, und das, obwohl die weltweite Nachfrage um das Zehnfache gestiegen ist. Das hat dazu geführt, dass die Händler ihre Sortimente immer weiter eingeschränkt haben. Banken und andere Marktführer aus der Branche mussten ihren Handel teils tageweise einstellen. Wir bei philoro haben unsere Lager schon früh gefüllt und waren einer der wenigen Händler in Europa, der überhaupt noch Ware ausliefern konnte. Wie sehen Sie die kurz-, mittelund langfristige Entwicklung des Goldmarkts? Der Goldpreis fiel bei Ausbruch der Coronakrise kurzzeitig, so, wie auch die Kurse bei anderen Anlageklassen litten. Seitdem hat Gold aber wieder stark zugelegt. Auf kurzfristige Sicht ist es immer schwierig, die Entwicklung des Goldpreises zu prognostizieren – es können geopolitische Ereignisse eintreten, die den Kurs nochmal um zwanzig oder dreissig Prozent nach oben katapultieren, es kann aber auch eine Normalisierung eintreten. Mittelfristig, innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate, sehe ich deutlich höhere Preise, wenn nicht gar neue Allzeithochs. Das geopolitische Umfeld, das niedrige Zinsniveau, die Unsicherheit in den Märkten spielen dem Goldpreis in die Hände. Das Ende der Fahnenstange, was neue Allzeithochs betrifft, ist noch in weiter Ferne. Die letzte grosse Finanzkrise 2008 ist vielen noch gut im Gedächtnis. Damals stieg der Goldpreis von 750 Dollar pro Feinunze unaufhaltsam bis 2011 auf das historische Allzeithoch von über 1900 Dollar pro Feinunze. Es ist also nicht die Frage, wann neue Allzeithochs erreicht werden, sondern vielmehr wie hoch dieses ausfallen wird. Gamechanger 2020 AUF EINER SKALA VON 1 BIS 10: — 10 — — 5 — Wie sehr wird die Coronakrise die Digitalisierung in der Finanzindustrie beschleunigen ? Wie sehr wird Künstliche Intelligenz den Umgang mit Daten in der Finanzindustrie beeinflussen ? — 3 — — 5 — Wie sehr wird die Verbreitung von Krypto- tokenisierte Assets das Wie sehr werden Währungen die Finanzindustrie verändern ? vestoren beeinflussen Anlageverhalten von In- ?

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