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Zukunft-Banking Juli 2020

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04 Gamechanger

04 Gamechanger Zukunft Banking NEXT BIG THING 12. / 13. Juli 2020 | netzwoche.ch/ZukunftBanking | moneytoday.ch #FinTank – Thinking Fin, Tec and Reg Es ist fast ironisch: Corona hat der etablierten Finanzindustrie eine Atempause verschafft, ist doch die Luft für die transaktionenbezogenen Geschäftsmodelle vieler FinTech-Start-ups gerade dünn geworden. Es ist aber eben nur eine Pause, denn die Chancen für Innovationen stehen so gut wie nie. AUTORIN: CORNELIA STENGEL Die Menschen haben im Lockdown schnell gelernt, dass man fast alles auch online machen kann. Zur neuen Normalität gehört also (wieder) die Disruption: Finanzen, Technologie und Regulierung stehen mehr denn je auf der Agenda. Die Diskussion um «tracing apps» zeigt, dass die Digitalisierung eine technische («Können wir das?») und wirtschaftliche («Wollen wir das?»), aber auch eine ethische («Sollen wir das?») und rechtliche («Dürfen wir das?») Komponente hat. Das gilt natürlich auch für Innovationen im Finanzbereich. Um dies zu beurteilen, braucht es Ökonomen, Techniker und Juristen. Diese müssen miteinander sprechen, sich aber vor allem verstehen und gemeinsam nachdenken. Open Banking Nehmen wir das Thema «Open Banking», also den (teilweise branchenübergreifenden) Austausch von Daten auf Wunsch der Kunden, welcher sich international vor allem durch regulatorische Vorgaben entwickelt hat. Inzwischen werden die Vorteile von Open Banking für Kunden, Wirtschaft und Gesellschaft aber auch in der Schweiz erkannt und mit zunehmendem Nachdruck gefordert. Artificial Intelligence Oder nehmen wir das Thema «Artificial Intelligence», welches häufig noch als Überbegriff für einen mehr oder weniger intelligenten Umgang mit Daten verwendet wird. Es wird davon ausgegangen, dass in Zukunft die heute allenthalben eingesetzten, unflexiblen Wenn-Dann-Systeme von maschinellem Lernen und später vielleicht von künstlicher Intelligenz abgelöst werden, was viele interne Prozesse revolutionieren würde. «Innovation erfordert nebst Ideen und Visionen vor allem Mut und verantwortungsbewusste Entscheidungen. Die Basis für solche Ent scheidungen sollte sorg fältig und interdisziplinär erarbeitet werden.» Cornelia Stengel, Leiterin des #FinTanks an der FHNW und Partnerin bei Kellerhals Carrard. Zahlungssysteme Sprechen wir von «Zahlungssystemen», welche heute nicht zuletzt aufgrund der regulatorischen Vorgaben und des direkten Kundenkontakts den idealen Einstieg für FinTech-Start-ups bilden und welche gleichzeitig das Potenzial haben, ganze Plattform-Ökonomien zu begründen oder sich im Gegenteil beinahe unsichtbar ins Realgeschäft (z.B. einen Kauf) einzufügen. Tokenization Und denken wir darüber nach, welche tiefgreifenden Veränderungen die «Tokenization», also die Digitalisierung von Vermögenswerten und deren digitale Übertragung, mit sich bringen wird. Die Schweiz wird demnächst eine solide gesetzliche Grundlage für diese neuen Technologien zur Verfügung haben – es gilt, diese Möglichkeiten bestmöglich zu nutzen. #FinTank Mit dem neu am FinanceLab der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW in Basel eingerichteten #FinTank wird ein Ort für das interdisziplinäre Nachdenken über diese und viele weitere Themen geschaffen. In Workshops, Informationssessions oder konkreten Studien und Arbeitspapieren werden aus den unterschiedlichen Blickwinkeln verschiedener Disziplinen wissenschaftlich fundierte Antworten auf praktische Fragen entwickelt. Nutzen Sie die Gelegenheit, Ihre Fragen, Gedanken und Strategien im Zusammenhang mit Innovationen auf dem Finanzplatz mit unabhängigen Experten verschiedener Disziplinen zu analysieren und schaffen Sie damit die Basis für verantwortungsbewusste Entscheidungen für die Zukunft! FINTANK Der #FinTank ist eine unabhängige und anwendungsorientierte Forschungseinrichtung, die in ihrer spezifischen Ausrichtung schweizweit einzigartig ist. Gemeinsam mit Partnern aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung werden wissenschaftlich fundierte Antworten auf praktische Fragen gefunden. Mit Prof. Dr. iur. Cornelia Stengel konnte eine ausgewiesene Expertin für rechtliche Fragen rund um Innovationen auf dem Finanzmarkt als Leiterin des #FinTanks gewonnen werden. Sie ist Partnerin bei Kellerhals Carrard und Mitglied der Geschäftsleitung von Swiss FinTech Innovations (SFTI), dem Schweizer Fachverband für Innovation von Banken und Versicherungen. Daneben engagiert sie sich im Rahmen von Gesetzgebungsprojekten zu ihren Tätigkeitsbereichen, namentlich als Mitglied von Expertengruppen der Bundesverwaltung oder als ständiger Gast der Fachkommission Digitalisierung der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg). «Wir bieten digitale Compliance-Lösungen – KYC as a Service» Das Zuger RegTech KYC Spider automatisiert den KYC-Prozess von Finanzintermediären bis zum höchsten Masse. Möglich macht das eine KI-gestützte Toolbox, kombiniert mit einer proprietären kuratierten Datenbank für Hochrisikokunden. KYC-Spider-CEO Miki Vayloyan im Interview. INTERVIEW: MARC LANDIS Was tut KYC Spider genau? Miki Vayloyan: Wir sind ein Zuger RegTech und verändern die heute bekannten Compliance-Prozesse. KYC Spider baut Tools und Prozesse rund um KYC/AML/CTF/ Sanktionen-Compliance, mit denen wir Compliance und Onboarding digitalisieren. Wir kombinieren dabei Softwareleistung, Plattformökonomie, jahrelange KYC/AML- Expertise und Beratungserfahrung. Das macht uns einzigartig. Was bekommen Kunden konkret von Ihnen? Wir wissen, wie aufwendig und herausfordernd es für unsere Kunden ist, ein komplettes und «audit-fähiges» KYC-File zu erstellen. Wir bieten digitale State-of-the- PERSÖNLICH ÜBER MIKI VAYLOYAN Miki Vayloyan ist CEO von KYC Spider. Die erfolgreiche Strategin ist ein fester Begriff in der Welt der regulierten Umfelder. Sie bringt ausser ihrem internationalen Erfahrungsschatz mit Fokus auf digitale Innovations-Projekte, unter anderem im Bereich Compliance, zusätzlichen Schwung und Weitsicht in das Zuger RegTech. Mit ihrer langjährigen Erfahrung in der Unternehmensentwicklung und ihrem breiten Netzwerk treibt sie die strategischen Ziele des Unternehmens voran. Art-Compliance-Lösungen – KYC as a Service quasi. Wir bauen für unsere Kunden gemäss den Vorgaben aus ihrem Risiko- und Compliance-Konzept den KYC-Prozess im Hintergrund und können mithilfe unserer Softwarelösung die Abläufe autonom und standardisiert abwickeln. Für den Legalund Compliance-Officer bleibt nur noch die finale Risikobewertung eines vollständigen und «audit-fähigen» KYC-Files. Wir automatisieren damit den Daten- und Dokumente-Management-Prozess bis zum höchstmöglichen Masse. Dies realisieren wir durch enge Zusammenarbeit mit unseren Kunden und deren Entwicklern. Wir hören zu und wir fragen nach. Was machen Sie anders als andere Reg Tech Unternehmen? Für unsere Kunden sind die Werte, die wir als Schweizer Firma vertreten, enorm wichtig. Wir halten Kundendaten ausschliesslich in der Schweiz, unsere Lösungen erfüllen Schweizer Standards in puncto Sicherheit und in Bezug auf die Einhaltung der regulatorischen Rahmenbedingungen. Das schafft Vertrauen und bildet einen Mehrwert für unsere Kunden im Einsatz gegen Geldwäscherei und Kriminalität. Inwiefern ist KYC-Spider ein Gamechanger für die Schweizer Finanzindustrie? Wir legen den Fokus auf sichere, effiziente KYC-Prozesse. Sie sind für das reibungslose und gesetzeskonforme Funktionieren einer globalisierten Wirtschaft unerlässlich. Mit der Digitalisierung und Automatisierung von KYC können unsere Kunden ihre Ressourcen effizienter einsetzen. KYC Spider rationalisiert mittels intelligenter Lösungen den KYC- Prozess für Finanzinstitute und Intermediäre, FinTechs und andere regulierte Unternehmen. Das reduziert Zeit- und Kostenaufwand für KYC um bis zu 80 Prozent. Wie funktioniert KYC-Spider genau? Unsere Toolbox setzt auf KI-unterstützte Software für KYC/AML und Reputations- Risikoprüfungen sowie auf eine proprietäre und kuratierte Datenbank von Personen mit hohem Risiko. Die Toolbox-Plattform ist als eigenständige Software-as-a-Service-Lösung, als White-Label-Lösung zur Integration oder über offene APIs verfügbar. Unternehmen wie die Zürich Versicherungen, Bitcoin Suisse, FCHB, Kendris, Grand Casino Baden, Lykke, Neocredit, Yapeal, Axiemtria und weitere vertrauen auf die Services von KYC Spider. «KYC Spider reduziert mittels künstlicher Intelligenz den Zeitund Kostenaufwand für den KYC-Prozess für Finanzintermediäre um bis zu 80 Prozent. Miki Vayloyan, CEO, KYC Spider Was sieht die weitere Roadmap von KYC Spider aus? Wir entwickeln laufend weiter, immer in enger Zusammenarbeit mit unseren Kunden, um am Puls des technologischen Fortschrittes zu bleiben. Wir streben Spitzenleistung in Sachen Prozess-Automatisierung und Datenverarbeitung an. Wir sind bereits heute ein zuverlässiger Partner für Finanzintermediäre aus aller Welt, und bauen unsere Kompetenzen stetig weiter aus. Datenhaltung und -verarbeitung stehen klar im Fokus unserer Tätigkeit, denn sie sind die Grundlage digitaler Geschäftsprozesse. Die intelligente Verarbeitung von Datensätzen, kombiniert mit einem effizienten Matching, bilden die Grundlage, auf der wir weitere KI-unterstützte Plattform- Leistungen spielen wollen.

12. / 13. Juli 2020 | netzwoche.ch/ZukunftBanking | moneytoday.ch Zukunft Banking INNOVATION IST CHEFSACHE #zkb_ch Gamechanger 05 «Innovation ist kein Zufallsprodukt und Digitalisierung hat keinen Selbstzweck» In einem Feld, das sich schneller wandelt denn je, müssen Banken Massnahmen ergreifen, um nicht den Anschluss an die digitale Konkurrenz zu verlieren. Was die Zürcher Kantonalbank tut, um am Ball zu bleiben, erklärt Daniel Previdoli, Mitglied der General direktion und Head Products, Services & Directbanking bei der Zürcher Kantonalbank. INTERVIEW: MARC LANDIS, REDAKTION: COLIN WALLACE Sie leiten seit Oktober 2014 die Geschäfts einheit Products, Services & Directbanking bei der Zürcher Kantonalbank. Welche digitalen Trends und Innovationen bewegten die Bank seither besonders? Daniel Previdoli: Wir sprechen bei der Zürcher Kantonalbank ganz bewusst nicht von digitalen Trends. Wir verstehen Digitalisierung als integralen Bestandteil der laufenden Transformation unseres Geschäfts. Auf Konzernstufe haben wir bezüglich Digitalisierung vier Grundsätze definiert: Erstens muss alles, was wir umsetzen, einen konkreten Kundennutzen erzielen. Der Trend geht klar in Richtung Selbstbedienung und -beratung – und zwar zu jeder Zeit, an jedem Ort und unabhängig vom Kanal. Kunden entscheiden selbst, wie sie mit uns als Bank interagieren. Zweitens sind alle digitalen Lösungen, die wir unseren Kundinnen und Kunden zur Verfügung stellen, vollständig in unsere Systeme integriert. Das ist eine grosse Herausforderung und viele Banken unterschätzen das. Drittens sind alle Lösungen miteinander vernetzt. Nur so kann beispielsweise ein Prozess in einem Kundengespräch gestartet werden und der Kunde kann ihn im Mobile Banking abschlie s- sen. Und viertens müssen unsere Prozesse skalierbar, medienbruchsfrei und so weit wie möglich automatisiert sein. Eine vollständige Integration der Lösungen bedeutet auch, dass die Systeme im Hintergrund auf dem neusten Stand sein müssen ... Genau. Wie immer die Welt von morgen aussehen wird. Eine wichtige Voraussetzung ist, historisch gewachsene Systeme und Systembrüche zu beseitigen sowie eine sehr hohe Datenqualität sicherzustellen. Die Zürcher Kantonalbank besteht seit 150 Jahren, es gibt also eine riesige Menge an Daten, die klar strukturiert, aufbereitet und bewirtschaftet sein muss. Inwiefern positioniert sich die Zürcher Kantonalbank als Game Changer puncto Innovation in der Schweizer Finanzbranche? Bevor man das «Game changen» kann, muss man erst im Game mit dabei sein, die Spielregeln kennen und wissen, wo der «Ball» ist. Wir investieren in die kulturelle Weiterentwicklung unserer Bank. Will man als Unternehmen innovativ und agil sein, müssen die PERSÖNLICH ÜBER DANIEL PREVIDOLI Daniel Previdoli leitet seit Oktober 2014 die Geschäftseinheit Products, Services & Directbanking der Zürcher Kantonalbank. Zuvor war er Head Retail Banking und ist seit 2007 Mitglied der Generaldirektion. Davor war er während elf Jahren für die UBS tätig; von 1996 bis 2002 als Leiter Recovery Management Primaries, danach als Regionenleiter Privat- und Firmenkunden Zürich. Daniel Previdoli ist Verwaltungsratspräsident der Swisscanto Fondsleitung AG, Zürich; Verwaltungsratsmitglied der Swisscanto Holding AG, Zürich; Aduno Holding AG, Zürich; Viseca Card Services, Zürich, und der TWINT AG, Zürich, sowie Vizepräsident der Stiftung Greater Zurich Area, Zürich. Wir wollen unsere Kundinnen und Kunden in sämtlichen Lebens- und Unter - nehmensphasen begleiten und beraten. Daniel Previdoli, Leiter Products, Services & Directbanking, Zürcher Kantonalbank Mitarbeitenden, die Arbeitsformen und die Projektmethoden in diesem Unternehmen innovativ und agil sein. Ausserdem ist Innovation kein Zufallsprodukt, sondern braucht Systematik und Struktur. Im Rahmen unseres Innovationsprozesses unterscheiden wir drei Phasen: Innerhalb der ersten Phase, der «Exploration», verfolgen wir derzeit weltweit 74 technologische, soziokulturelle, ökonomische, ökologische und politische Trends. Wir erkennen dadurch, in welchen Bereichen Handlungsbedarf oder Entwicklungschancen bestehen. Selbstverständlich werden in dieser Phase auch Erkenntnisse aus Client Insights oder internen Innovationsaktivitäten, wie Hackathon oder unserem Intrapreneurship-Programm, mit aufgenommen. Zentral sind für uns ebenfalls die zahlreichen Partnerschaften, die wir sowohl mit etablierten Playern wie auch mit Fintechs eingehen. Auch die Zusammenarbeit mit Innovationsförderern wie Bluelion oder F10 spielen hier eine wichtige Rolle. Dadurch erhalten wir Inspirationen von aussen und von anderen Branchen. Wie nutzen Sie die Partnerschaften im Innovationsprozess? Wir arbeiten mit unterschiedlichen Partnern für unterschiedliche Zwecke zusammen. Dabei verfolgen wir einen Open-Innovation-Ansatz und suchen nebst strategischen Partnerschaften etwa mit Swisscom auch Partnerschaften mit Fintech-Startups. Beispiele dafür sind Contovista, DSwiss, PXL Vision oder Starmind. Was viele nicht wissen, die Zürcher Kantonalbank ist einer der grössten Start-up- Investoren der Schweiz. In den letzten Jahren haben wir direkt in mehr als 200 Jungunternehmen investiert. Von dieser Nähe zu neuen und kreativen Unternehmen profitieren wir. In der zweiten Phase, der «Inkubation», überprüfen wir die Ideen im Hinblick auf Geschäftsmodell, Wirtschaftlichkeit und Kundenakzeptanz. Dazu werden Prototypen erstellt und zusammen mit Kunden Benutzertests durchgeführt, bevor in der Phase der «Realisation» über die definitive Einführung entschieden wird. Dass wir hinsichtlich Innovation weit vorne mitspielen, zeigt sich auch in Projekten, die wir bereits umgesetzt haben. Das erste Immobilienportal der Schweiz, Homegate, wurde als hundertprozentige Tochtergesellschaft der Zürcher Kantonalbank gegründet, und daraus entstand auch eine der ersten Online-Hypotheken. Im Bereich Digital Payment haben wir die Zeichen der Zeit erkannt und vor Gamechanger 2020 AUF EINER SKALA VON 1 BIS 10: — 2 — — 7 — Wie sehr wird die Corona-Krise die Digitalisierung in der Finanzindustrie beschleunigen ? Wie sehr wird Künstliche Intelligenz den Umgang mit Daten in der Finanzindustrie beeinflussen ? — 6 — — 4 — Wie sehr wird die Verbreitung von Krypto- tokenisierte Assets das Wie sehr werden Währungen die Finanzindustrie verändern ? vestoren beeinflussen Anlageverhalten von In- ? einigen Jahren zusammen mit der UBS und SIX «Paymit» aufgebaut, die Grundlage der heutigen mobilen Bezahllösung TWINT. Lassen Sie mich noch drei aktuellere Beispiele anfügen: Bei der Entwicklung der SwissID haben wir eine entscheidende Rolle gespielt und damit einen Beitrag zu einer digitalen Infrastruktur in der Schweiz geleistet. Als erster Fondsanbieter der Schweiz setzen wir seit Anfang März dieses Jahres das Pariser Klimaabkommen mit dem 2-Grad-Ziel um. Und zusammen mit der Deutschen Börse, Swisscom und weiteren Partnern haben wir im Rahmen einer Machbarkeitsstudie Wertpapiergeschäfte mit tokenisierten Aktien mittels Distributed- Ledger-Technologie (DLT) erfolgreich abgewickelt. Solche Machbarkeitsstudien sind wichtig, um die Potenziale und Risiken – sowohl mit Fokus auf neue Services und Produkte wie auch mit Blick auf mögliche Effizienzsteigerungen – zu erkennen. Die Zürcher Kantonalbank hat im März eine digitale Vorsorgelösung lanciert. Was hat es damit genau auf sich? Die Säule 3a App, frankly, verbindet Bewährtes mit Neuem. Auf der einen Seite haben wir die Zürcher Kantonalbank, die höchstes Vertrauen geniesst, gepaart mit den seit Jahren erfolgreichsten Vorsorgeprodukten von Swisscanto Invest. Auf der anderen Seite stehen unsere Innovationskraft und unsere Digitalisierungskompetenz. Erst diese Verbindung ermöglicht die Umsetzung eines solchen rein digitalen Produktes. Beispielsweise ist der vollständig digitale Onboarding-Prozess innerhalb weniger Minuten abgeschlossen. Und das Pauschal- Preis-Modell – Kunden zahlen einen Preis, egal, wie oft sie das Produkt wechseln, egal, wie klein die Investitionen sind – ist einzigartig. Der Start von frankly ist gelungen: Nur sieben Wochen nach der Lancierung haben wir die 100-Millionen-Grenze erreicht. Wie sehen Sie die Zukunft des Banking? Die Rolle der Bank sollte sich konsequent am Mehrwert für den Kunden orientieren. Banken werden sich künftig immer weniger über ihre Produkte, sondern über ihre Dienstleistungen differenzieren. Diese werden noch modularisierter und damit besser auf die Bedürfnisse und Lebensereignisse der Kundinnen und Kunden zugeschnitten sein. Hier bietet die Digitalisierung viele Chancen, um eine ganzheitliche, individualisierte Beratung und Betreuung zu bieten – von der Geburt eines Kindes über den Hauskauf bis hin zur Pensionierung. Dasselbe Ziel verfolgen wir auch im Firmenkundengeschäft: Wir wollen unsere Kunden in sämtlichen Unternehmensphasen begleiten und beraten – von der Gründung über die Wachstumsphase bis hin zur Nachfolgeregelung. Auch hier rückt das einzelne Produkt zusehends in den Hintergrund – gefragt sind umfassende und gleichzeitig massgeschneiderte Lösungen für die vielfältigen Herausforderungen rund um die gesamte Unternehmensführung. Um als Bank erfolgreich zu bleiben, werden aber auch optimierte, effiziente Backend-Lösungen und die Fähigkeit, Partner in die Dienstleistungserstellung mit einzubinden, entscheidend sein. Die Zürcher Kantonalbank feiert in diesem Jahr ihr 150-Jahr-Jubiläum. Seit sie 1870 ihren ersten Schalter eröffnete, versteht sich die Zürcher Kantonalbank als Bank der Zürcherinnen und Zürcher. Wie stellen Sie trotz Mobile Banking, Online-Portalen und Social Media eine digitale Nähe sicher? Nähe hat nichts damit zu tun, ob die Begegnung mit der Bank persönlich oder digital stattfindet. Es geht darum, Menschen und Unternehmungen zu verstehen und sie partnerschaftlich, langfristig und nachhaltig zu begleiten. Dank den digitalen Kanälen sind wir stärker in den Alltag unserer Kunden eingebunden. So können wir individualisiert und zum passenden Zeitpunkt Mehrwert generieren. Bei Nähe geht es immer um Vertrauen. Wir schaffen ein vertrauensvolles Umfeld, welches das Beste aus beiden Welten vereint: einen verantwortungsvollen Umgang mit den digitalen Möglichkeiten und verlässliche persönliche Kontakte – ob am Telefon, via Chat oder in der Filiale. Wie sehen Sie die Auswirkungen der Corona-Pandemie für die Innovationsbemühungen der Banken? Wir halten grundsätzlich an unserer Roadmap fest, können aber durch unsere agile und flexible Arbeitsweise Anpassungen vornehmen, falls Kundenbedürfnisse dies erfordern. Die jüngste Pandemie hat bestimmt gewisse Verhaltensänderungen bei Kunden und Mitarbeitenden bewirkt. Viele haben zum ersten Mal online etwas bestellt und möchten diese neu entdeckte Convenience, auch im Austausch mit ihrer Bank, nicht mehr missen. Die rückläufigen Bargeldtransaktionen oder neue Formen der Kollaboration und das Arbeiten im Homeoffice werden mit Sicherheit zu Veränderungen in der Arbeitswelt führen.

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