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IT for Health 02/2017

GESELLSCHAFT &

GESELLSCHAFT & POLITIK « Das Gesundheitswesen befindet sich in einem fundamentalen Umbruch » Das Claraspital Basel forciert die digitale Transformation. Die Fäden hierfür laufen bei Dominique Schmid zusammen, Leiter Innovations- & Technologiemanagement. Schmid spricht über Innovation, Diätpläne und die Chancen des EPDs für die Medizin der Zukunft. Interview: George Sarpong Sie sind seit Juli Leiter Innovations- & Technologiemanagement am Claraspital in Basel. Wie sind Sie gestartet? Dominique Schmid: Ich bin gut gestartet. Es ist ein Haus, in dem der Mensch im Zentrum steht. Es freut mich, die verschiedenen Projekte in den Bereichen Innovation und Technologie hier am Claraspital zu begleiten. Wie wollen Sie den digitalen Wandel im Claraspital mit Ärzten und Pflegern umsetzen? Meine Hauptaufgabe wird es sein, eine Methodik einzuführen, bei der wir die Mitarbeiter einbeziehen und gemeinsam Lösungsansätze erarbeiten. Abschliessend wählen wir dann jene Ideen, aus denen wir Projekte erarbeiten können. Das beschleunigt anschliessend die Projektumsetzung. Ihre Arbeit umfasst die Bereiche IT, Gebäudeund Medizintechnik. Das klingt nach einer Menge Arbeit. Was hat Sie an dieser Aufgabe gereizt? Das Gesundheitswesen befindet sich in einem fundamentalen Umbruch. Das macht die Aufgabe immens spannend. Als Arbeits- und Organisationspsychologe ist mir ausserdem das Arbeitsumfeld sehr wichtig. Ich bin überzeugt, dass man als Unternehmen nur dann weiterkommt, wenn man auch beim konstanten Wandel ein positives Arbeitsklima pflegt. Was sind Ihre Aufgaben? Ich trage verschiedene Hüte. Ich kümmere mich um Projekte und das dazugehörige Prozessmanagement. Dazu zählen die Ressourcenplanung und das Reporting. Eine weitere Aufgabe ist das Innovationsmanagement, also die Entwicklung von einer Idee bis zu einem Projekt. Wir sind in der luxuriösen Situation, dass wir mehr Ideen und Projekte als Ressourcen haben, um diese abzuarbeiten. Deshalb braucht es mich. Eine Person, die vorhandene Ideen sammelt, ordnet und strukturiert mit dem Team umsetzt. ZUR PERSON Dominique Schmid, lic. rer. pol. MBA/EMBA, leitet am Claraspital den Unternehmensbereich Innovations- und Technologiemanagement (ITM). Dieser wurde im Frühling dieses Jahres neu geschaffen. Schmid koordiniert bereichsübergreifende Projekte der IT, Gebäude- und Medizintechnik Für seine Aufgaben bringt Schmid Erfahrungen aus den Bereichen Arbeitspsychologie, Finanzen, Digitalisierung und Führung mit. Das Basler Claraspital ist ein privat geführtes Akutspital. Es führt zwei Zentren – das Bauchzentrum und das Tumorzentrum, ist Referenzspital für Adipositas und betreibt die Spezialitäten Innere Medizin/Endokrinologie, Pneumologie, Urologie, Kardiologie sowie Gynäkologie/ Gynäkologische Onkologie. Quelle: Claraspital « Die Digitale Transformation ist zentral für die Effizienzgewinnung im Spital. » Dominique Schmid Woher kommen die Ideen? Die kommen massgeblich aus den Fachbereichen. Wir haben ein gut etabliertes Feedback-System, über das die Mitarbeiter ihre Ideen einbringen. Das hängt mit der Kultur hier zusammen. Wir wollen hochprofessionelle Arbeit leisten. Daran denkt jeder Mitarbeiter im Claraspital täglich. Wie setzen sich die Projektteams zusammen? Unsere Organisation ist so aufgebaut, dass alle Teams bereichsübergreifend arbeiten. Wir haben unsere Schwerpunktbereiche Bauch und Tumor, den übergreifenden medizinischen Querschnittsbereich mit Schwerpunkt Radiologie/Radioonkologie, die Pflege, unsere zentralen Dienste und neu meinen Bereich. Applikationsverantwortung trägt immer jemand aus den entsprechenden Fachbereichen. Wir wollen auf diese Weise die Bereichs- und die Technologiesicht in unseren Projekten abbilden. Inwiefern hilft die Digitalisierung dem Claraspital bei der Wettbewerbsfähigkeit? Die digitale Transformation ist zentral für die Effizienzgewinnung im Spital. Da ergeht es uns genauso wie anderen Unternehmen auch. Die Digitalisierung ist auch Türöffner für die Entwicklung neuer Technologien. Die ersten Spitäler testen künstliche Intelligenz, etwa in der Diagnose. Diagnostik wird eines der ersten Gebiete sein, in denen wir mit solchen Hilfsmitteln arbeiten werden. Ein weiteres Gebiet sind Roboter. Wir sind ein Referenzzentrum für Operationen mit OP-Robotern 30

des Typs Da Vinci. Vor einem möglichen Effizienzgewinn durch Digitalisierung steht bei uns aber natürlich immer die Sicherheit der Patienten und der Nutzen für diese. Wo nutzen Sie Roboter noch? Wir haben beispielsweise Roboter angeschafft, mit denen radioaktive Substanzen maschinell aufbereitet werden. Auf diese Weise müssen unsere Ärzte und Pflegekräfte erst bei der Applikation der Spritze mit dem radioaktiven Material arbeiten. Das reduziert die Strahlenbelastung der Mitarbeiter. Auch dieses Projekt entstand durch eine Idee im Fachbereich. GESELLSCHAFT & POLITIK Sie bringen Erfahrungen aus der IT-Branche mit, etwa von SPS und der Swisscom-Tochter Sicap. Wie erleben Sie als quasi Branchenfremder das Spital? Im Bereich Technologieeinsatz und IT ist unser Haus gut aufgestellt. Ärzte und Pfleger gehen von Spitalzimmer zu Spitalzimmer und müssen beispielsweise Informationen zu den Patienten abrufen können. Deshalb wurden Anfang dieses Jahres virtualisierte PC- Arbeitsplätze eingeführt. Auf diese Weise kann das Klinikpersonal etwa über Tablets standortunabhängig auf wichtige Daten und Dossiers zugreifen. In der IT profitieren wir also von neuen Entwicklungen. Im medizinischen Bereich auch, aber mit der Einschränkung, dass wir einmal eingeführte Technologien nicht einfach verändern können. Wie meinen Sie das? Wenn man die Technik etwa in die eigene Infrastruktur nach eigenen Wünschen integrieren will, etwa um den Betrieb der Infrastruktur möglichst einfach zu halten, tritt der Hersteller die Verantwortung an den Kunden ab. Aber genau diesen Service will man als Spital einkaufen. Wir sind daher gezwungen, ein medizinisches Gerät genauso zu betreiben, wie der Hersteller dies vorschreibt. Das macht technische Projekte im Spital im Vergleich zu einem Industriebetrieb von vergleichbarer Grösse deutlich komplexer. Wie äussert sich das? Wir haben medizinische Geräte, die technisch zum Besten zählen, was der Markt anbietet. Die dazugehörige Software müssen wir – allein aus Haftungsgründen – genauso betreiben, wie der Gerätehersteller uns dies vorgibt. In einem Industriebetrieb spielt so etwas kaum eine Rolle, da man die verschiedenen Systeme an seine Bedürfnisse anpassen und integrieren kann. In einem hochspezialisierten Spital wie dem unseren wird hingegen der Park an unterschiedlichen 31

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