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IT for Health 02/2020

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E-HEALTH KONKRET « Im

E-HEALTH KONKRET « Im Vergleich zur Industrie hinkt das Gesundheitswesen stark hinterher » Stefan Beyeler ist für die Digitalisierungsstrategie und den lückenlosen Betrieb aller IT-Systeme des Stadtspitals Waid und Triemli zuständig. Im Interview spricht er darüber, wie sein Departement der Coronakrise begegnet und was es auf dem Weg zum digitalisierten Spital noch alles braucht. Interview: Joël Orizet Anfang des Jahres haben Sie die Leitung des neu geschaffenen Departements «Digitalisierung und Informatik» des Stadtspitals Waid und Triemli übernommen. Kurz darauf brach die Coronapandemie aus. Wie haben Sie diese Ausnahmesituation erlebt? Stefan Beyeler: Im ersten Moment war die Situation tatsächlich äusserst aussergewöhnlich. Ich war selbst Mitglied des Krisenstabs und habe miterlebt, wie dynamisch sich die Newslage änderte und wie rasch wir als Spital auf die neue Situation reagieren mussten. Dabei versuchte ich stets, in meinem Departement eine Balance zwischen Sicherstellung des Betriebs, Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse des IT-Personals und einer raschen Umsetzung der oft kurzfristigen Anforderungen des Krisenstabs zu finden. Trotz allem wollte ich sicherstellen, dass das Arbeitsleben und die laufenden Projekte weitergehen. Alles in allem haben ich und mein Team diese Ausnahmesituation gut und gesund überstanden. Welche Herausforderungen kamen mit der Coronakrise auf Sie zu? Die grösste Herausforderung war zu Beginn der Pandemie der Umgang mit den Unsicherheiten und der Kurzfristigkeit. Eine Balance zu finden zwischen Personalverfügbarkeit vor Ort und der Vorgabe, so viel Personal wie möglich ins Homeoffice zu schicken, war anfänglich nicht einfach. Aufgrund von Entscheidungen des Krisenstabs mussten mehrmals kurzfristig ganze Stationen um- oder aufgebaut werden. Dazu mussten ausser der Bereitstellung der Infrastruktur auch umfangreiche Anpassungen in den administrativen und klinischen Applikationen durchgeführt werden. Mit der Zeit stellte sich eine gewisse Routine ein und das Ganze pendelte sich ein. Eine Herausforderung der besonderen Art war die Befähigung der ganzen Organisation im Umgang mit Videokonferenzen. Innerhalb kurzer Zeit mussten alle wichtigen Sitzungen wie die des Corona-Krisenboards und der Spitalleitung dezentral durchgeführt werden. Die dafür benötigte Infrastruktur und eine Videoconferencing-Lösung mussten gefunden und aufgebaut werden, sodass auch weniger versierte Anwenderinnen und Anwender per Video und Audio an Sitzungen teilnehmen konnten. Das Positive daran ist, dass sich die Einstellung zu virtuellen Meetings auch für die Nach- Corona-Zeit wesentlich verbessert hat. Wie haben sich die Prioritäten Ihres Departements verändert? Zu Beginn der Coronakrise steckten wir voll und ganz in der Umsetzung der IT-Reorganisation. Hier mussten wir zugunsten der Krisenorganisation vorübergehend Abstriche machen und Verzögerungen hinnehmen, die aber bereits wieder wettgemacht werden konnten. Auch andere Projekte wurden zwischenzeitlich etwas gedrosselt. Der IT-Betrieb konnte jederzeit vollständig aufrechterhalten werden. Was war der Anstoss für die Gründung des Departements? Was war das ursprüngliche Ziel? Das Stadtspital Waid und Triemli investiert aktuell viel in den Ausbau der administrativen und klinischen Kernapplikationen und Prozesse. Der IT kommt hier eine wichtige Rolle zu, die sie nun – dank der Positionierung als eigenes Departement – optimal ausfüllen kann. Mit der Gründung des Departements Digitalisierung und Informatik wurde diesen Umständen Rechnung getragen und auch ein Zeichen in Richtung Digitalisierung gesetzt. ZUR PERSON Stefan Beyeler absolvierte eine Berufslehre als Elektroniker. Noch während des darauffolgenden Musikstudiums gründete er eine IT-Supportfirma. Nach der Jahrtausendwende startete er eine erfolgreiche Karriere in der Informatikbranche. Als Projektleiter und Geschäftsführer verschiedener Firmen spezialisierte er sich auf IT-Themen im Gesundheitswesen. Seit Januar 2020 ist er Leiter des Departements Digitalisierung und Informatik im Stadtspital Waid und Triemli und damit auch Mitglied der Spitalleitung. Welche Projekte haben für Sie die grösste Bedeutung? Aktuell arbeiten wir an drei Schlüsselprojekten mit hohem IT- Anteil. Auf der administrativen Seite führen wir SAP als zentrales System für Patientenadministration, Finanzen und Logistik ein. Dann wird das neue Klinikinformationssystem KISIM der Zürcher Firma Cistec unsere klinischen Prozesse optimal unterstützen. Und für die Leistungserfassung und das Leistungsmanagement führen wir ebenfalls eine neue Lösung ein. Alle drei Systeme werden sowohl am Standort Waid wie auch im Triemli zum Einsatz kommen und unsere standortübergreifende (digitale) Zusammenarbeit erheblich verbessern. 12

« Viele Digitalisierungsprojekte werden meiner Erfahrung nach aufgrund von kurzfristigen Bedürfnissen initialisiert. » E-HEALTH KONKRET Stefan Beyeler, Leiter des Departements «Digitalisierung und Informatik» des Stadtspitals Waid und Triemli Wie ist das Departement Digitalisierung und Informatik des Stadtspitals Waid und Triemli aufgestellt? Das Departement ist primär in zwei Fachbereiche und einen Stab unterteilt. Der Fachbereich IT-Betrieb ist für den stabilen und lückenlosen Betrieb aller IT-Systeme verantwortlich. Daneben kümmert sich der Fachbereich IT-Projekte um neue Vorhaben. Der Fachbereich IT-Governance ist zuständig für Finanzen, Verträge und alle weiteren IT-Governance-Themen. Insgesamt beschäftigt unser Departement etwas mehr als 50 Mitarbeitende. Am Swiss E-Health-Forum 2019 haben Sie das elektronische Patientendossier (EPD) mit einem Elefanten verglichen: ein riesiges Projekt, das nur langsam vorwärtskommt, sich aber seinem Ziel nähert. Warum hat sich die Schweiz so schwer getan mit diesem Projekt? Bei einem derart grossen Vorhaben gibt es unzählige Partikularinteressen der Stakeholder, die teilweise diametral auseinanderlaufen. Dass sich die Umsetzung verzögert, ist nicht überraschend. Für die Spitäler bedeutet die Einführung des EPD ein grosser Aufwand, zeitlich wie finanziell. Wie hat sich das Stadtspital Waid und Triemli auf die Einführung des EPD vorbereitet? Wir sind die Vorbereitungen im Rahmen eines Projekts angegangen und werden demnächst bereit sein. In einer ersten Phase werden wir nur den Portalzugang nutzen. Sobald die Nachfrage der Patientinnen und Patienten gross genug ist, werden wir weitere Automatisierungsschritte angehen. Die Konzepte dazu haben wir grösstenteils bereits erarbeitet. Das EPD wird sich nur dann als sinnvoll erweisen, wenn es von der Bevölkerung genutzt wird. Was denken Sie: Geht die Rechnung auf? Die Akzeptanz der Bevölkerung vorauszusagen, ist schwierig. Ich verstehe, dass eine gewisse Skepsis herrscht. In den vergangenen Monaten häuften sich die Meldungen über Cyberangriffe auf Schweizer Spitäler. Gab es auch Vorfälle im Stadtspital Waid und Triemli? Cyberangriffe gibt es andauernd. Diese werden durch das Security Operations Center (SOC) der Stadt Zürich abgewehrt und glücklicherweise entstand schon sehr lange kein Schaden mehr. Als Teil der städtischen Infrastruktur profitieren wir hier 13

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