Aufrufe
vor 3 Monaten

Netzwoche 02/2021

  • Text
  • Mitteilung
  • Microsoft
  • Zudem
  • Datenschutz
  • Digital
  • Huawei
  • Netzmedien
  • Schweiz
  • Schweizer
  • Unternehmen

Das Interview finden Sie

Das Interview finden Sie auch online www.netzwoche.ch Huawei will bis Ende 2021 den Personalbestand in der Schweiz verdoppeln, wie ich gelesen habe. In welchen Bereichen sollen die neuen Stellen ent stehen? Es ist nicht ganz eine Verdoppelung, sondern wir erhöhen die Anzahl Stellen von 300 auf 550. Die neuen Stellen entstehen vor allem in Forschung und Entwicklung rund um Advanced Computing und weitere Themen in den Forschungszentren in Zürich und Lausanne – in der Nähe der beiden ETHs. Auch in der Enterprise Business Group wird sich der Headcount erhöhen, da sich dieser Geschäftsbereich sehr gut entwickelt. « Es ist eine ziemliche Herausforderung, um ehrlich zu sein, dass wir von der globalen Supply Chain abgeschnitten und durch den US-Bann gezwungen sind, unsere eigenen Mobile Services zu ent wickeln. » Haitao Wang, CEO, Huawei Schweiz Sie haben die Schwierigkeiten im Consumer Business angesprochen und dass Huawei die Lizenz für Google Mobile Services verloren hat. Nun will Huawei mit lokalen Entwicklern arbeiten, um Schweizer Apps für die Huawei App Gallery mit Huawei Mobile Services programmieren zu lassen. Wie holen Sie Schweizer Entwickler an Bord? Es ist eine ziemliche Herausforderung, um ehrlich zu sein, dass wir von der globalen Supply Chain abgeschnitten und durch den US-Bann gezwungen sind, unsere eigenen Mobile Services zu entwickeln. Die Top-100- Apps der Schweiz sind im Huawei-Mobile-Services-Ökosystem verfügbar, in der App Gallery finden sich viele populäre Apps wie 20min, Blick oder SRF, aber auch die Coop-App oder local.ch. Es ist aufwendig, jeden einzelnen Entwickler anzuziehen; wir leisten hier einen grossen Effort. Huawei hat ja auch sein eigenes Betriebssystem namens Harmony OS entwickelt, aber wie es scheint, kommt es noch nicht in Smartphones zum Einsatz, dafür in einem chinesischen Elektroauto namens BYD ... Die Strategie legt unser globales Consumer Business fest und es gibt diese Zusammenarbeit mit dem Autohersteller BYD. Wir setzen weiterhin auf das Basis-Android- Betriebssystem für unsere Smartphones, das ja Open Source ist, und reichern es mit Huawei Mobile Services an, da wir momentan nicht auf Google Mobile Ser vices zugreifen können. Wie schätzen Sie das ein: Wird sich die Situation mit dem US-Bann durch den neuen US-Präsidenten Joe Biden für Huawei verbessern? Tatsächlich bin ich zuversichtlich, dass sich die unfaire Behandlung Huaweis durch die USA verbessert. Es gibt auch keinerlei Beweise dafür, dass sich Huawei nicht korrekt verhält. Das sind einfach politische Spiele. Und nicht nur wir sind vom Bann betroffen – auch andere Unternehmen leiden, egal ob in den USA, Japan, Südkorea oder China. Alle verlieren, wenn die globale Supply Chain unterbrochen ist. Wie alle Unternehmen wünschen auch wir uns ein stabiles und faires Umfeld, um Geschäfte machen zu können. Um Ihre Frage zu beantworten: Ich weiss nicht, wie lange es dauern wird, bis wir zur Normalität zurückkehren werden. Aber es scheint eine Chance dafür zu geben. Und dann? Hört Huawei auf, eigene Betriebssysteme, eigene Mobile Services, eigene Apps zu entwickeln? Grundsätzlich möchten wir unseren Kunden immer das beste Produkt bieten und dafür sourcen wir auf dem Weltmarkt die besten Komponenten in unterschiedlichen Ländern – egal ob Software oder Hardware. Denn 24 People Live Haitao Wang – «Andy» – leitet seit 2018 die Geschicke von Huawei in der Schweiz. Trotz Corona lief das Geschäft der Chinesen hierzulande 2020 zufriedenstellend. Ein Gespräch über den US-Bann, 5G und die Vorzüge der Schweiz als Innovationsstandort. Interview: Marc Landis Wie geht es Huawei in der Schweiz 2020? Andy Wang: Die einzelnen Geschäftsbereiche Carrier Business Group, Enterprise Business Group und Consumer Business Group haben in diesem Jahr unterschiedlich performt. So haben wir eine stabile Entwicklung im Carrier-Geschäft und aus den bekannten Gründen eine leichte Verschlechterung in unserem Consumer Business. Sehr gut entwickelt hat sich das Enterprise-Geschäft mit einem Zuwachs von rund 40 Prozent, allerdings noch auf eher tiefer Basis. « Huaweis Commitment für den Schweizer Markt ist seit zwölf Jahren ungebrochen » 02 / 2021 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

People Live 25 wir können nicht alles selbst entwickeln und selbst produzieren. Aber wir werden aufgrund des Erlebten nicht aufhören, selbst zu entwickeln – niemand weiss, was die Zukunft bringt oder was in vier Jahren sein wird. Deshalb werden wir uns nicht mehr zu 100 Prozent auf die globale Supply Chain verlassen und unsere eigenen Fähigkeiten und Kapazitäten weiterentwickeln. Lassen Sie uns wieder über den Schweizer Markt sprechen. Sie konnten im Enterprise-Segment kräftig zulegen. Auf welche Unternehmensgrössen zielen Sie ab? Natürlich zielen wir auf grosse Kunden, die wir auf Konzern ebene auch direkt betreuen. Wir haben seit drei Jahren etwa eine Kooperation mit Schindler. Mit ihnen haben wir das IoEE gebaut – das Internet of Elevators and Escalators. Die Schweiz bietet aber auch als KMU-Land mit rund einer halben Million Unternehmen interessante Wachstumsmöglichkeiten. Diesen Bereich werden wir gemeinsam mit Channelpartnern weiter bearbeiten. Sie kooperieren beim Netzausbau eng mit dem Telko Sunrise. Nun wird Sunrise von der US-amerikanischen Liberty Global übernommen, der Muttergesellschaft von UPC. Was bedeutet diese Übernahme für Huawei in der Schweiz? Eigentlich dürfen US-Firmen ja nicht mit Ihnen zusammenarbeiten … Es ist noch nicht ganz klar, welche Auswirkungen diese Fusion auf uns haben wird. Wir sind optimistisch, dass die Kooperation weitergehen wird, auch weil unsere bisherige Zusammenarbeit so erfolgreich war. Wie schätzen Sie die Entwicklung von 5G in der Schweiz ein? Die Schweiz gehört beim 5G-Ausbau global zu den Top- Ländern. Auch Huawei hat daran einen Anteil. So hat uns Sunrise beauftragt, den 5G-Ausbau für sie zu bewerkstelligen. Mit ihnen haben wir auch das erste 5G Innovation Center lanciert, wo es 5G für alle quasi «zum Anfassen» gibt. Dort entwickeln und fördern wir gemeinsam mit Partnern aus Privatwirtschaft und öffentlicher Hand 5Gund IoT-Anwendungen im Privat- und Geschäftskunden- « Die Schweiz gehört beim 5G- Ausbau global zu den Top-Ländern. Auch Huawei hat daran einen Anteil. » Haitao Wang, CEO, Huawei Schweiz www.netzwoche.ch © netzmedien ag 02 / 2021

Archiv