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Netzwoche 07/2021

28 Technology Porträt

28 Technology Porträt Zwei Tüftler voller Tatendrang Flavio Bezzola und Muharem Zenkic haben geschafft, wovon viele träumen. Sie machten ihre Leidenschaft zum Beruf. Mit ihrer Firma Joylab entwickeln die zwei Ingenieure robotische Lösungen, Sensoren und ihr eigenes Produkt: eine neue Art von Powerbank. Autor: Joël Orizet Flavio Bezzola (l.) und Muharem Zenkic, die beiden Gründer und Chef-Entwickler von Joylab. Den vollständigen Artikel finden Sie online www.netzwoche.ch Von aussen betrachtet wirkt sie wie stillgelegt, doch drinnen geht es in der ehemaligen Fensterfabrik geschäftig zu. Im zweiten Stock, hinter der Tür mit der Aufschrift «Fensterei», hantieren junge Unternehmer. Kreative, Programmierer, Berater. Und die beiden Ingenieure Flavio Bezzola und Muharem Zenkic, genannt: Muhi. Vor vier Jahren haben sie sich eine technische Werkstatt der etwas anderen Art aufgebaut. Der Raum, durchflutet von warmem Licht, sieht aus wie ein Loft. Ein paar weisse Wände und Stahlpfeiler stecken die Arbeitsbereiche ab. Dazwischen stehen Pflanzen, eine silberne Skigondel, ein Tischtennistisch und eine Kochinsel. Durch die eine Fensterfront schimmert der Zürichsee, die andere lenkt den Blick auf die Bergkette Albis. «Diese Stimmung inspiriert uns», sagt Bezzola. Und das brauchen die beiden Ingenieure, denn ihre Begeisterung treibt sie an. Das steckt schon im Namen ihrer Firma Joylab. Obwohl: Zenkic und Bezzola sind keine Bastler, sondern Profis mit Sinn fürs Geschäft. «Ein guter Ingenieur muss effizient sein», sagt Zenkic und ergänzt: Ebenso wichtig wie technisches Können ist ein Gespür für den Kunden. Robotik, Sensorik und stapelbare Energie Im Auftrag von Unternehmen entwickeln die beiden medizinaltechnische, mechanische und elektronische Komponenten – beispielsweise einen robotischen Arm, der eine Videokamera automatisch und präzise bewegen kann. «Derzeit drehen sich viele Projekte um Robotik und Sensorik», sagt Bezzola. «Wir arbeiten gerade an einem speziellen Sensor, den es so noch nicht gibt.» Dinge und Prozesse verbessern, vereinfachen und sie günstiger machen – das haben sie drauf, wie Bezzola sagt. Doch ihre grosse Leidenschaft gilt einem Produkt namens Nectar. Es besteht aus mehreren stapelbaren Powerbanks und einer Ladestation. Das Praktische daran: Die einzelnen Powerbanks können alle möglichen Smartphones, Tablets oder Laptops aufladen – aber Diebstahl wäre zwecklos, denn die Geräte lassen sich nur auf der proprietären Basis wieder aufladen. 2015 brachten Bezzola und Zenkic das Produkt und ihre Firma an den Start. Zuvor hatten die beiden Gründer schon eine Weile mit der Selbstständigkeit geliebäugelt. Bezzola erinnert sich, wie sie den Entschluss zur Gründung fassten. Es sei vor etwa fünf Jahren gewesen, er habe als Maschineningenieur gearbeitet und eine Anfrage für ein Nebenprojekt bekommen. Ziel war es, ein solarbetriebenes Motorrad zu entwickeln. «Wir brauchten einen Elektroingenieur, da habe ich sofort an Muhi gedacht», sagt Bezzola. Die beiden kennen sich seit der Schulzeit. Für das Projekt steckten sie aber erstmals ernsthaft die Köpfe zusammen. Bei Zenkic zuhause im Keller hätten sie getüftelt und sich über ihre Arbeit ausgetauscht. «Da merkten wir, dass wir von unseren Jobs frustriert waren», sagt Bezzola. «Alles ging zu langsam. Wir hatten das Gefühl, nichts zu bewirken.» Da lag es auf der Hand, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. «Aber wir hatten auch Respekt.» Denn es fehlte noch eine Idee, die mittelfristig Geld einbringt – «vor allem eine Idee, die Mut macht», sagt Bezzola. Und die kam dann auch, wenn auch eher zufällig. Aus Freude am Schaffen Bezzola war am Hongkonger Flughafen gelandet, der Handy akku leer. In einem Restaurant fragte er nach, und eine Kellnerin brachte ihm eine Powerbank an den Tisch. «Genial», dachte er sich. In der Schweiz erzählte er Zenkic davon. «Los!», habe dieser gesagt. Das war der zündende Funke. So entstand die Vision vom Gratisstrom fürs Handy. Seither entwickeln die beiden ihr Produkt laufend weiter. Sie haben Grosses damit vor. Wie auch mit Joylab. Zenkic und Bezzola strotzen vor Zuversicht. Sie wollen mehr Ingenieure einstellen, mehr Projekte stemmen, Nectar zum Fliegen bringen und neue Produkte kreieren. Am wichtigsten bleibt aber das, was sie zusammenbrachte: die Freude am Schaffen und Geschaffenen. 07 / 2021 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Technology Fachbeitrag 29 Edge Computing – notwendig und vorteilhaft Daten direkt an ihrem Entstehungsort zu verarbeiten, bringt viele Vorteile. Jedoch sind Projekte, die Edge Computing mit künstlicher Intelligenz und weiteren digitalen Technologien bündeln, eher aufwändig. Doch es gibt Abhilfe mit Automatisierungen und Virtualisierungen. Edge Computing wird in Kombination mit Technologien wie Computer Vision, Internet of Things (IoT), 5G, Big Data und künstliche Intelligenz (KI) viele Branchen beeinflussen. Sei es, dass im öffentlichen Verkehr in Echtzeit auf Auslastungsdaten reagiert wird, um den Verkehrsfluss zu optimieren, dass in der Fertigung Ausfallzeiten überwacht werden oder dass im Einzelhandel Customer-Behaviour- Analysen dazu führen, dass das Kundenerlebnis verbessert werden kann. In den bislang bewährten Use Cases werden Videostreams für verschiedenste Anwendungsszenarien eingesetzt, die Daten generieren, analysieren und verarbeiten, um letztlich Prozesse zu verbessern und smartere Entscheidungen zu fällen. Bereits heute richten erste Unternehmen ihr Geschäft auf Edge Computing aus, um Kundenbedürfnisse optimaler vor Ort zu bedienen. In den nächsten drei Jahren wird gemäss Studien bereits ein gros ser Anteil aller Unternehmen in Edge Computing einen Wettbewerbsvorteil sehen. Datenhoheit aus Datenschutzgründen Die Überwachung öffentlicher Räume oder von Arbeitsplätzen ist unter DSGVO-Gesichtspunkten eine heikle Angelegenheit. Die Weiterleitung, Speicherung oder Verwendung solcher Daten ist, sofern überhaupt möglich, strikten Vorgaben unterworfen. In diesen Fällen bietet die intelligente Auswertung der Daten am Entstehungsort beziehungsweise direkt am (smarten) IoT-Device den Vorteil, dass sie gar nicht erst gespeichert oder in hohen Volumina übertragen werden müssen. Einfache Anwendungsbeispiele sind etwa das Zählen von Personen in Bus oder Bahn oder die Bestimmung von Personenströmen etwa bei Grossveranstaltungen. Die quellenbasierte Datenverarbeitung reduziert das Gesamtaufkommen des Datenverkehrs, erhöht die Performance von Anwendungen und führt zu optimierten Kosten durch einen reduzierten Bandbreitenbedarf. Zudem treibt sie die Automatisierung voran. Produktion beziehungsweise den operativen Einsatz gelangt. Die Integrationskosten sind ebenfalls beträchtlich, wenn das Projekt höchst kundenspezifisch ist und sich kaum multiplizieren lässt. Kosten lassen sich reduzieren, wenn Computer-Vision- Lösungen unter Einsatz von produktisierten Frameworks als Container-Applikationen entwickelt werden. Mittels der «Produktionalisierung» durch Container laufen die KI- Anwendungen in ressourcensparenden Microservices und sind von der darunterliegenden Infrastruktur abgekoppelt. Werden die so entwickelten Produkte auf dem Zielsystem kombiniert, können komplexe Use Cases mit hohem Businessnutzen realisiert werden. Die Entwicklungskosten verteilen sich und auch die Integrationskosten werden gesenkt, da standardisierte Prozesse etabliert und eingesetzt werden können. In beiden Fällen sind die Kosten zu Beginn einer KI-Systementwicklung ein grober Schätzwert und können je nach aufkommenden Herausforderungen stark abweichen. Durch Verwendung von bereits entwickelten KI-Produkten hingegen kann man recht gute Aussagen über die zu erwartenden Kosten treffen. Mittlerweile stehen (auf Wunsch auch skalierbare und gemanagte) Plattformen auf Open-Source-Basis bereit, an die Entwickler ihre IoT-Anwendungen und Applikationen über vorgefertigte Konnektoren einfach ankoppeln können. DER AUTOR Steven Henzen Lead Inno vation & Technology, T-Systems Schweiz Den Beitrag finden Sie auch online www.netzwoche.ch Von «Stand-alone»-Lösungen zu gemanagten Plattformen Die Einstiegshürde in solche smarte und KI-gesteuerte Projekte ist nicht zu unterschätzen. Unternehmen müssen in die Entwicklung investieren; zumeist wird eine solche Lösung in einem «Proof of Concept» erprobt, ehe sie in die www.netzwoche.ch © netzmedien ag 07 / 2021

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