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Netzwoche 16/2018

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14 XXXXXXXXXXX XXXXXXXXXXXX Grafik: Ledi Nugeraha / Shutterstock.com FOCUS E-COMMERCE Brennpunkt E-Commerce: Wie Schweizer Onlinehändler im globalen Wettbewerb dastehen osc. Wer heute etwas einkauft, tut dies immer mehr online. Im Internet finden wir alles, was wir für unser tägliches Leben mehr oder weniger benötigen – rund um die Uhr, von Shops nah und fern, oftmals billiger als im Laden. Das Tor zu dieser Einkaufswelt im Internet sind längst nicht mehr nur Websites, sondern vermehrt auch Sprachassistenten und virtuelle Umgebungen. Dabei herrscht ein harter Konkurrenzkampf, nicht nur zwischen Onlinehändlern und dem traditionellen Ladenverkauf, sondern auch zwischen Anbietern aus der Schweiz und dem Ausland. Grund genug, das Thema E-Commerce mit drei Expertenbeiträgen zu beleuchten. Patrick Kessler, Präsident des Verbands des Schweizerischen Versandhandels, zeigt zum Auftakt, was Schweizer Onlineshops den Mitbewerbern aus dem Ausland entgegenhalten können. Ralf Wölfle vom Institut für Wirtschaftsinformatik der Fachhochschule Nordwestschweiz wirbt für mehr Innovation und Kooperation im hiesigen E-Commerce. Wie auch B2B-Anbieter ihre Stärken durch Fokus auf den Kunden im Onlinehandel auspielen können, beschreibt Ueli Preisig von der Digitalagentur Unic. Abgerundet wird der Focus durch ein Interview mit Thomas Lang, Gründer und CEO des Beratungsunternehmens Carpathia. Der Branchenkenner verrät, was den Schweizer E-Commerce aktuell bewegt. 16 / 2018 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Focus E-Commerce 15 Ausländische Onlineshops kämpfen mit längeren Spiessen Onlinehändler aus Übersee verzeichnen rasant wachsende Umsätze in der Schweiz. Der Erfolg ist aber nicht auf Produkte und Dienstleistungsqualität zurückzuführen, sondern massgeblich auch auf wettbewerbsverzerrende Faktoren. DER AUTOR Patrick Kessler Präsident/Geschäftsführer, Verband des Schweizerischen Versandhandels VSV ENTWICKLUNG MARKTVOLUMEN Online- und Versandhandel 2010 – 2017, Umsatz in Mrd. CHF Schweiz Ausland 4,60 4,75 5,10 5,45 5,80 6,10 6,50 7,00 0,50 0,55 0,60 0,80 0,90 1,10 1,30 1,60 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017* * Schätzung Basis: Gesamtmarkt B2C, C2C, Einkäufe im Ausland Quelle: GfK 2018 | Online- und Versandhandelsmarkt Schweiz 2017 | 20. Februar 2018 2017 haben Herr und Frau Schweizer 8,6 Prozent mehr Geld im Onlinehandel ausgegeben. Der Trend geht 2018 ungebremst weiter. Per Ende Juli zeigt der Online-Handels-Monitor des VSV ein Plus von 10,2 Prozent – und dies ohne die Umsätze aus Auslandseinkäufen und Zalando! Die Gesamtausgaben im Onlinehandel dürften also 2018 um gegen 15 Prozent steigen. Bei aller Freude über die Entwicklungen im eigenen Land schauen wir mit etwas Besorgnis auf die exponen tiell wachsende grenzüberschreitende Einkaufshäufigkeit. Wachstumsquoten bei sogenannten Direktimporten von 30 Prozent im Jahr 2016 und 50 Prozent im Jahr 2017 lassen aufhorchen und verlangen nach einer Ursachenanalyse. 2018 dürften gegen 35 Millionen Pakete via grosse und kleine ausländische Plattformen wie Aliexpress, Wish, Amazon und Co. den Weg in die Schweiz finden. Zum Vergleich: Das gesamte Paketaufkommen in der Schweiz beträgt ohne diese Mengen 150 Millionen. Der Konsument hat offenbar jede Zurückhaltung abgelegt und kauft grenzenlos ein, wenn sich die Gelegenheit bietet. Das starke Wachstum ist aber nicht nur auf tolle Produktangebote, sondern auch wettbewerbsverzerrende Faktoren zurückzuführen. ▪▪ Online-Versandhandel wächst 2017 um total 10 Prozent oder 800 Mio. CHF (ohne Abholstationen) 1 ▪▪ Direkte Cross-Border-Online- Einkäufe mit Lieferung in die Schweiz nehmen überproportional zu 1 Wichtig: Abholstationen im benachbarten Ausland im Jahr 2013 von 200 Mio. CHF und 250 Mio. CHF im Jahr 2015 resp. 2016 wurden in dieser Grafik nicht berücksichtigt. Die Spiesse sind nicht gleich lang Die Auslandsvolumen werden teilweise begünstigt von vorteilhaften Versandtarifen und Paketformaten: So wird heute eine Warensendung mit Abgang in China in der Schweiz günstiger zugestellt als ein Schweizer Paket, hinzu kommen grosszügigere Formatvorgaben als innerhalb der Schweiz. So kann Aliexpress beispielsweise einen Lederfussball in der Schweiz als Brief verschicken, während ein Schweizer Händler dieses Produkt immer als Paket versenden muss. Eine weitere Sorge ist, dass diese Paketmengen zunehmend unkontrollierbar ins Land gelangen – es können nur kleine Mengen stichprobenartig (manuell) geprüft werden. Die Wahrscheinlichkeit der Falschdeklaration und Steuer-Umgehung steigt mit jedem zusätzlich importierten Paket an. Ebenso erhöht sich das Risiko, dass gefährliche beziehungsweise unkontrollierte Materialien, Elektrogeräte, Waffen und auch Medikamente in Umlauf gelangen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis dies zu gravierenderen Vorkommnissen als einem Adapter- oder Kabelbrand führen wird. Schweizer Stärken nutzen Trotz oder gerade dank dieser Entwicklungen beim Konsumentenverhalten sehen wir nach wie vor Potenzial für Schweizer Händler, aber auch Hersteller-Versender (D2C – Direct to Consumer). Innerhalb der Schweiz helfen die hohe Liefergeschwindigkeit und Warenverfügbarkeit, grosszügige Retouren-Regelungen oder einfach auch schon der Kauf auf Rechnung, Kunden hier zum Einkaufen zu bewegen. Natürlich muss der Preis dazu auch stimmen. Aber wir sind fest davon überzeugt, dass Schweizer Onlineangebote in vielen Bereichen über die letzten Jahre konkurrenzfähiger geworden sind. Für Händler und Hersteller eröffnen sich europa- und weltweit neue Chancen, ihre Produkte direkt an Konsumenten zu verkaufen. Die weiter oben «beschuldigten» Marktplätze werden im globalen Kontext zu Steigbügelhaltern, an denen ein Onlineanbieter heute nicht mehr vorbeikommt. Gerade im globalen Konsum-Kontext kann die Schweiz immer noch mit Qualität, Ansehen, Vertrauen und auch ein paar Stereotypen punkten – man muss aber schnell agieren, der Zug fährt bereits aus dem Bahnhof … www.netzwoche.ch © netzmedien ag 16 / 2018

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