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Netzwoche 18/2016

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28 Best of Swiss Apps

28 Best of Swiss Apps 2016 Nachgefragt Der Schweiz fehlt ein App-Ökosystem Im Juli dieses Jahres hat der Vorstand der Swiss Mobile Association Franco Monti zum neuen Präsidenten gewählt. Jetzt erklärt Monti, wie er die Schweizer App-Wirtschaft sieht und wie er sie mit seiner Arbeit unterstützen will. Autor: David Klier « Warum muss man App- Start-ups besteuern? » Franco Monti, Präsident, Swiss Mobile Association Präsident sagt. «Das kann von Vorteil sein, aber im Umfeld der App-Entwicklung ist das kontraproduktiv.» Doch die Schweizer App-Wirtschaft hat auch ihre guten Seiten. «Wir haben in der Schweiz extrem innovative Leute mit sehr spannenden Konzepten», sagt Monti. «Es gibt sehr schöne Schweizer Apps.» Fairtiq sei so eine. «Was die Entwickler hier geleistet haben, ist ein Meisterwerk.» Die Macher von Fairtiq hätten alles richtig gemacht. Sie seien regional gestartet und würden sich erst jetzt ausdehnen. «Wenn sie es richtig anstellen, können sie die App auf die nächste Stufe heben. Dann können sie zur London- Tube gehen, zur Deutschen Bahn, zu jedem.» Mit Fairtiq können Anwender Billette für den öffentlichen Verkehr kaufen. Die App berechnet jeweils den günstigen Tarif für die gefahrene Strecke. Der Anwender zahlt nach der Fahrt. Artikel online auf www.netzwoche.ch Webcode NW181603 120 Millionen Franken Umsatz, knapp 500 000 App-Entwickler und 1,2 Millionen Apps. Das sind die Kennzahlen der Schweizer App-Wirtschaft. Das sagt zumindest Franco Monti. Er ist seit Juli dieses Jahres Präsident der Swiss Mobile Association, kurz Smama. Die Zahlen, die Monti nennt, stammen aus der Studie «App Economy Schweiz». Die erwähnten knapp 500 000 Anbieter umfassen auch internationale Firmen. Nicht nur Schweizer. Die Studie selbst ist nicht mehr ganz aktuell. Der Verband Smama gab sie 2015 in Auftrag. Studenten der Universität St. Gallen führten sie durch. Es seien zwar grosse Zahlen, sagt Monti. «Aber das ist doch nichts. Da verdient ja niemand etwas.» Die Schweizer App-Wirtschaft sei noch ein sehr kleines Business. «Es geht komplett unter im Rauschen des Gesamtmarktes.» Der Staat sollte die Schweizer App-Wirtschaft fördern Die künftige Bedeutung von Apps sei jedoch immens. Warum passiert dann nicht mehr? Monti glaubt, dass der Schweizer App-Wirtschaft das passende Ökosystem fehle. Ein solches könne der Branche helfen, in Bewegung zu kommen. Zu diesem Ökosystem müssten die EPFL und die ETH Zürich gehören. Und staatliche Förderung. Etwa in Form von Steuerbefreiung. «Warum muss man die App- Start-ups besteuern?», fragt Monti. «Sie sind die Zukunft unserer Wirtschaft.» Das Klima in der (App-)Schweiz sei ein Spiegel der Schweizer selbst. Vorsichtig konservativ, wie der Smama- In der Schweiz läuft alles viel zu unterschwellig Für Monti ist Fairtiq aber ein Einzelfall. In der Schweiz laufe alles viel zu unterschwellig, wenn es um Apps gehe. Die Öffentlichkeit bekomme zu wenig davon mit. Im «good old Silicon Valley» oder in Ländern wie Israel sehe das ganz anders aus. «Israel ist ein unglaublicher Ort», sagt Monti. Allein im Umfeld von Cybersecurity gebe es dort über 300 Start-ups. Mittel- bis langfristig werde sich wohl auch China zu einem der wichtigsten Schauplätze entwickeln. «In China gibt es eine unbändige Engineering- und Brainpower», sagt Monti. Aber was nützt das den App-Entwicklern in der Schweiz? «Das Engineering einer App in solche Länder auszulagern, ist natürlich völliger Mumpitz», sagt Monti. «Eine App zu programmieren, ist relativ simpel.» Viel schwieriger sei die Backend-Integration. Die Entwickler können also gar nicht davon profitieren? «Indirekt», sagt Monti. Durch den Einstieg dieser Länder in das Geschäft, werde das Thema in die breite Öffentlichkeit getragen. «Es wird virulent.» Laut Monti sollten sich Schweizer Entwickler ohnehin eher regional statt international orientieren. Dort, wo sie einen persönlichen Bezug herstellen können. Franco Monti respektive der Verband will die Entwickler dabei unterstützen. Monti will junge Entwickler und Start-ups an den Events, die der Verband regelmässig abhält, ins Rampenlicht rücken. Sie sollen sich an den Anlässen dem ganzen Verband vorstellen und nicht mehr stumm in den letzten Reihen sitzen. 18 / 2016 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Best of Swiss Apps 2016 Hintergrund 29 «Wir sind nicht auf der Höhe der Zeit» Das Internet der Dinge hat Goldgräberstimmung geweckt. Hersteller tun sich zusammen für gemeinsame Standards. Doch bei der Sicherheit gibt es noch klaffende Lücken, warnen Experten. Autor: Fabian Pöschl Das Internet der Dinge, kurz IoT, hat es schon lange auf die Liste der Big Five der IT-Trends geschafft. Nun wird der Trend fassbar. Das IoT wächst rasant. Immer mehr kleine, minia turisierte Computer sind miteinander vernetzt und unterstützen den Menschen im Alltag. Vom Wearable bis zum Kühlschrank. Das Jahresthema des diesjährigen Best of Swiss App Awards deckt verschiedenste Bereiche ab: Das Internet der Dinge betrifft jeden Menschen und auch die Industrie. Ralf Günthner, Head of Industrial IoT & Industrie bei Swisscom, erhofft sich vom IoT die Grundlage für die vierte industrielle Revolution. Bis 2020 sollen es laut Analysten 50 Milliarden Geräte weltweit sein, die miteinander kommunizieren. Allianzen arbeiten zusammen am IoT Das wäre ein gigantisches Netz an Geräten. Doch für das Zusammenspiel fehlten bisher die Standards, sowohl bei den Komponenten als auch bei den Diensten im IoT. Es schien fast so, als dass jeder Hersteller und Entwickler zu Beginn des IoT-Hypes auf eine eigene Lösung setzte. Darauf bauen zwar immer noch einige, aber die meisten Hersteller tun sich zusammen und gründen Allianzen. Und die gute Nachricht: Diese Allianzen spielen sich nicht gegeneinander aus. Erst kürzlich schlossen sich zwei der grössten zusammen. Die Allseen Alliance fügte sich in die grössere Open Connectivity Foundation. Die zwei Standards «IoTivity» und «Alljoyn» kommen zusammen und werden interoperabel. Bisher mit den unterschiedlichen Standards laufende Geräte sollen weiterlaufen können und auch rückwärtskompatibel sein. Von Industrieseite tut sich also einiges. Das ist verständlich, sind die Hersteller doch in Goldgräberstimmung. Swisscom baut etwa fleissig an seinem Low Power Network für das IoT. Bis Ende des Jahres will Swisscom den Grundausbau für 80 Prozent der Bevölkerung abgeschlossen haben. Das Netz läuft über den offenen Lora-WAN-Industriestandard und tauscht Daten über eine einheitliche IP-Basis aus. Zahlen für den noch jungen Schweizer IoT-Markt gibt es noch keine. GfK Switzerland wird wohl im nächsten Jahr erstmals harte Fakten liefern können. Berücksichtigt man aber das grosse Konsumenteninteresse am Thema, scheint grosses Potenzial für Marktwachstum vorhanden. Eine GfK-Umfrage in Deutschland mit 1000 Teilnehmern ergab, dass fast zwei Drittel davon sich für das Thema Smarthome – auch ein Aspekt des IoT – interessierten. Wer sich nicht dafür interessierte, gab als Grund die hohen Kosten an – oder er konnte mit dem Begriff nichts anfangen. Wurde diesen Befragten dann ein konkretes Beispiel genannt, seien auch sie begeistert gewesen, schreibt GfK. Sicherheitsbedenken sind gross Begeisterung am neuen IoT-Markt zeigt auch die «dunkle Seite» der IT. Hacker bedrohen Geräte und Nutzer. Solange kein gemeinsamer Sicherheitsstandard existiert, haben sie leichtes Spiel. Das Sicherheitsproblem ist offenbar auch den Anwendern bewusst. Bei der GfK-Umfrage zeigten die Teilnehmer die grössten Bedenken bezüglich der Sicherheit. Wenn das Wearable einmal die Gesundheitsdaten automatisch dem Arzt oder der Krankenkasse übermittelt, kommt der Datenschutz nicht mehr mit. Das bemängelten erst kürzlich Datenschützer Anfang November an einer Tagung im Wiesbadener Landtag in Deutschland. «Wir sind nicht auf der Höhe der Zeit», sagte der Gastgeber der Datenschützer-Tagung, Hessens Datenschutzbeauftragter Michael Ronellenfitsch, gegenüber der Frankfurter Rundschau. Security-Spezialist Chema Alonso, Chief Data Officer von Telefónica, fordert ebenfalls, dass sich die Branche mehr Gedanken über die Sicherheit mache. Gegenüber Heise sagte er, dass es sonst irgendwann knallen werde. Alonso fordert weitere Sicherheitsebenen abseits des Geräts im Backend und im Netz, damit die Administratoren mehr Übersicht hätten. Bild: iStock « Es braucht mehr Sicherheit, sonst knallt es irgendwann. » Chema Alonso, CDO, Telefónica www.netzwoche.ch © netzmedien ag 18 / 2016

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