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Netzwoche 7/2019

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46 Web Focus Die App der

46 Web Focus Die App der nächsten Generation Progressive Web Apps (PWAs) sind optimierte Webseiten, die spezifisch programmierte Apps überflüssig machen. Mit einer PWA schaffen es KMUs deutlich einfacher als bisher auf die Mobilgeräte ihrer Kunden. Mehrfach-Programmierung, teure Werbung und lange Ladezeiten gehören der Vergangenheit an. DER AUTOR Raphael Ritter Senior Consultant & Partner, 2bit Das Smartphone ist heute überall mit dabei. Mit einer PWA kann der Kunde nun noch besser erreicht werden. Schafft es ein KMU, eine App auf dem Smartphone seines Kunden zu installieren, so bietet dies vielfältige Möglichkeiten, auf das Angebot aufmerksam zu machen. So manche Marketingabteilung beisst sich jedoch genau an dieser Aufgabe die Zähne aus. Ist die App marktreif, muss sie in zwei App-Stores (iOS und Android) hochgeladen und teuer beworben werden. Wird die App tatsächlich gefunden, folgt die nächste Hürde: die Installation auf dem Smartphone. Dauert diese zu lange oder benötigt die App zu viel Speicherplatz, wird der Vorgang abgebrochen. Viele Nutzer springen ab, bevor sie überhaupt mit den Vorteilen der App vertraut sind. Absprungraten und Kosten reduzieren sich Mit einer Progressive Web App läuft vieles einfacher: Ruft der Benutzer eine als PWA implementierte Webseite auf, wird er automatisch gefragt, ob die Seite auf seinem Endgerät gespeichert werden darf. Stimmt der Nutzer zu, hat es das KMU bereits auf dessen Smartphone oder das Tablett geschafft. Und dies mit deutlich tieferen Absprungraten und Entwicklungs- und Werbekosten. Die PWA wurde bereits 2015 von Google entwickelt und vorgestellt. 2018 begann dann auch Apple, das Feature zu implementieren und im Safari-Browser zu unterstützen. Seither hat sich die PWA gut etabliert, ist technisch ausgereift, und immer mehr Kunden springen auf den PWA- Zug auf. Vorteile von Progressive Web Apps ·· Tiefe Absprungraten. ·· Herkömmliche (native) Apps müssen speziell für ein bestimmtes Betriebssystem (iOS, Android) entwickelt werden. Dies erübrigt sich bei einer PWA. ·· Spezialangebote oder Neuheiten können dem Endkunden über Push-Nachrichten kommuniziert werden. ·· Da PWAs normale Webseiten sind, werden sie von Suchmaschinen gefunden. ·· Die PWA beansprucht nur wenig Speicherplatz auf dem Smartphone. ·· Eine PWA funktioniert auch offline. Nachteile von Progressive Web Apps ·· Zugriff auf gerätespezifische Features wie etwa Kontakte und Kalender der Nutzer sind nicht möglich. ·· Die App muss gratis zur Verfügung gestellt werden. ·· Einzelne Features, wie Push-Schnittstellen, werden von iOS noch nicht unterstützt. PWAs sind schneller Besonders für Apps mit wechselnden Inhalten und viel Kommunikation mit einem Server bieten PWAs Vorteile bei Geschwindigkeit und Ladezeiten. Zu empfehlen sind PWAs für E-Commerce-Lösungen und Onlineshops. Für Spiele oder Bildbearbeitung mit grösseren Hardwareanforderungen sind PWAs derzeit ungeeignet. 07 / 2019 www.netzwoche.ch © netzmedien ag

Web Focus 47 Vor- und Nachteile von PWAs im E-Commerce Die Ladezeit eines Onlineshops hat direkten Einfluss auf die Konversionen (Bestellungen). Auf der Startseite und den Kategorie- und Produktseiten kann diese etwa durch Caching optimiert werden. Sobald sich der Besucher aber anmeldet, werden Seiten nicht mehr aus dem Cache ausgeliefert, was die Ladezeiten im Bestellvorgang verlangsamt. DER AUTOR Nick Weisser Chief Enabling Officer, Openstream Internet Solutions Eine relativ neue Möglichkeit, einen Shop ohne Caching schneller zu machen, sind PWAs. Progressive Web Apps sind Anwendungen auf der Basis von HTML und Javascript, die im Webbrowser laufen, sich aber so schnell wie native (auf dem Gerät installierte) Apps anfühlen. Massiv schnellere Seitenladezeiten mit einem hohen Google Pagespeed-Wert von 90 bis 100 Punkten sind somit einer von drei grossen Vorteilen von PWAs. Durch Service Workers startet und lädt eine PWA sofort, auch wenn gerade keine Internetverbindung besteht. Dies wird möglich, indem wichtige Elemente vorab in den lokalen Zwischenspeicher (Pre-Caching) geladen werden. Mehr Interaktionsmöglichkeiten Eine PWA kann sich direkt im Vollbildmodus öffnen. Hierzu wird ein sogenanntes «Web App Manifest» verwendet, eine weitere neue technische Grundvoraussetzung für PWAs. Durch Push-Benachrichtigungen bietet eine PWA zudem weitere Interaktionsmöglichkeiten und Erinnerungsfunktionen, die bisher nativen Apps vorbehalten waren. Eine bessere Verfügbarkeit und Interaktion können in Kombination mit schnelleren Ladezeiten zu deutlich höheren Konversionsraten führen. Service Workers werden von den neuesten Versionen der beliebtesten Browser zu 100 Prozent unterstützt. Einige weniger verbreitete Browser bieten teilweise oder gar keine Unterstützung. Beim «Web App Manifest» sieht es aktuell noch etwas magerer aus, nur Chrome für Desktop und Mobile bietet aktuell 100 Prozent Unterstützung. Dies heisst allerdings nicht, dass ein PWA- Shop zwangsläufig in älteren Browsern nicht funktioniert, sondern lediglich, dass nicht alle Funktionen genutzt werden können. Was Onlineshop-Betreiber bei der Umsetzung beachten sollten Damit PWA-Technologien wie Service Workers genutzt werden können, muss das verwendete Onlineshop-System dies natürlich auch unterstützen. Offene Plattformen wie Wordpress, Woocommerce oder Magento bieten hierzu bereits zahlreiche PWA-Grundfunktionen, auf denen man aufbauen kann, was die Integration vereinfacht. Eine bessere Verfügbarkeit und Interaktion können in Kombination mit schnelleren Ladezeiten zu deutlich höheren Konversionsraten führen. Bei proprietären Shoplösungen oder Eigenentwicklungen muss man sicherlich mit mehr Integrationsaufwand und höheren Kosten rechnen, doch auch in diesem Bereich werden die Hersteller in den nächsten Monaten und Jahren vermutlich entsprechende neue Versionen zur Verfügung stellen, da PWA-Technologien die nächste Evolutionsstufe des Webs zu sein scheinen. Es besteht keine direkte Notwendigkeit, einen Shop komplett umzustellen. Es spricht aber auch nichts dagegen einzelne PWA-Funktionen zu nutzen, um Mehrwert zu schaffen und sich von der Konkurrenz abzuheben. OrnRin / iStock www.netzwoche.ch © netzmedien ag 07 / 2019

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